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Attilio Ariosti: Die Stockholmer
Ariosti
Attilio Ariosti hat eine große Menge an Musik für Viola d’amore geschrieben, wovon sich das Meiste in Stockholm erhalten hat (daher der Name, unter dem die Stücke bekannt sind). Diese Werke dienten dem Zweck, Musiker mit den Schwierigkeiten des Skordatur-Spiels (d.h. dem Spiel auf einem anders als normal gestimmten Instrument) vertraut zu machen. Georgi, ein Mitglied des renommierten kanadischen Barockorchesters Tafelmusik, benutzt drei Violas d’amore, um verschiedene Möglichkeiten zu demonstrieren: sechs oder sieben Spielsaiten, mit oder ohne Resonanzseiten.
Dies und das reich besetzte Basso continuo sorgen für ein barockes Farbenfest, das von der exzellenten Aufnahmetechnik getreu festgehalten wurde. Georgi trifft den Affekt eines jeden Satzes, und seine Verzierungen sind originell und witzig. CMS
Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte Nr. 5 u. 6, Konzert BWV 1044
Bach
Ein ganz jugendlicher, dynamischer Bach entsteht hier unter den Händen des italienischen Originalklang-Ensembles:
verspielt und spielfreudig, lust- und humorvoll. Man höre nur die berühmte Cembalo-Kadenz im ersten Satz des 5. Brandenburgischen Konzerts, hier gelingt Diego Fasolis mit zahlreichen Tempowechseln und Temposteigerungen
eine beinahe improvisiert klingende Fassung. So wird ein junger Bach beim Musizieren lebendig – sinnlich statt schulmeisternd erscheint er im langsamen Satz, zum Tanze fordert er im dritten auf.
Dem äußerst selbstbewussten, auftrumpfenden Kapellmeister begegnet man dann im 6. Konzert, während der langsame Satz des Tripelkonzerts eine schon fast galante Eleganz atmet, die am Ende vom strengen Kontrapunktiker voller Sturm und Drang abgelöst wird. Eine echte Entdeckung. KH
Béla Bartók: Streichquartette Nr. 1– 3
Bartok
Auf ihrer Debüt-CD mit drei Haydn-Quartetten machten es sich die vier jungen Franzosen mit einer knochentrockenen Akustik noch extra schwer. Das Ergebnis ließ dennoch aufhorchen. Diesmal war das Quatuor Ébène freundlicher zu sich selbst, bestand nicht auf dem Live-Prinzip, sondern ging zur Produktion in eine akustisch exzellente Scheune. Die neue CD bietet die technische und klangliche Perfektion des Studios, ohne jene gespannte, explosive Emotionalität einzubüßen, mit der das Ensemble im Konzert zu erleben ist.
Seit seinem Sieg beim ARD-Wettbewerb 2004 gilt das Quatuor Ébène als eines der besten Nachwuchsensembles. Zu Recht, wie sein grandios kompromissloser, zugleich ungemein klangschöner Bartók erneut beweist. OB
Béla Bartók: Streichquartett Nr. 5; Paul Hindemith: Streichquartett Nr. 4
Bartok2
Thomas Zehetmair ist ein überragender Anwalt der Moderne, als Solist, mit der Camerata Bern – seine Aufnahme von Schönbergs Verklärter Nacht ist nahezu konkurrenzlos – und auch mit seinem Streichquartett. Bartóks Viertem folgt jetzt das Fünfte, diesmal nicht mit Hartmann, sondern mit Hindemith kombiniert.
Und wieder ist das Ergebnis in seinem Detailreichtum und der fiebrigen Intensität überragend. Ein furioser Zugriff,
der ganz auf Bartóks wegweisende Modernität setzt, einsame Gesten über fahlen Akkorden umherirren lässt, dem Scherzo die letzte Heiterkeit austreibt, das Andante in gläserne Kühle taucht, die grandiose Musik passagenweise ins Geräuschhafte überführt. Und auch bei Hindemiths Viertem wird klar, was die Zeitgenossen an dem jungen Wilden so verstörte. OB
Ausgabe 10
Titel Ausgabe 10
Schwerpunkt: Das Konzert
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