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Herbert Blomstedt Der archaische Moderne

Herbert Blomstedt über Carl Nielsen



Nielsens Symphonien sind fantastische Musik.
Er ist ein echter Symphoniker, wie Sibelius auch – sie sind im selben Jahr geboren, 1865, aber sie sind völlig verschieden. Das hat auch mit den Ländern zu tun, aus denen sie kommen. Carl Nielsen ist praktisch im selben Land geboren wie Brahms – Brahms in Hamburg, Nielsen auf der dänischen Insel Fünen, in derselben flachen, aber reichen Kulturlandschaft, nahe am Meer. Nielsens erste Symphonie hat sehr viel Brahms‘sches in sich, ohne eine Brahms-Kopie zu sein. Man merkt bei Nielsen sofort, dass er fest verwurzelt ist in der deutschen Tradition. Um mit seiner Zeit zu sprechen: Da ist viel Anti-Romantisches drin, ohne dass Nielsen im Herzen ein Anti-Romantiker gewesen wäre. Nein, seine Musik ist sehr ausdrucksstark, ist Bekenntnis. Aber er war zu der Überzeugung gelangt, dass man Wagners Tonsprache nicht weiterentwickeln konnte. Wagner hatte die chromatische Harmonik ausgereizt, vielleicht ging es mit Max Reger noch etwas weiter, aber dann war wirklich Schluss. In den nordischen Ländern und auch in Deutschland orientierten sich viele Komponisten in Nielsens Generation wieder an den alten Meistern: Hindemith zum Beispiel vor allem am Barock, Nielsen mehr an der Renaissance.

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