Streifzüge durch das musikalische Paris
PROMENADES MUSICALESParis ist alles, was du willst“, schwärmte Frédéric Chopin schon 1831 – und daran hat sich bis heute für den Musikfreund nichts geändert. Man braucht nur am Mittwoch Morgen für 40 Cent eines der beiden einschlägigen Wochenprogramme zu kaufen, Le Pariscope oder L’Officiel du spectacle, und findet unter den Rubriken Concerts classiques, Danse, Opéras, Variété & Jazz, Pop-Rock, Chansonniers, Musiques du monde und Musique électronique eine solche Vielzahl an Konzerten, dass man kaum weiß, wohin man zuerst gehen soll. An manchen Tagen der Saison konkurrieren drei Dutzend und mehr Veranstaltungen miteinander – vom Mittelalter
bis zur Avantgarde, vom Ballett und der großen Oper bis zum Klavier- oder Liederabend, vom Symphonieorchester bis zur Orgel-Audition, von der nouvelle génération bis zu den internationalen Shooting- und Super-Stars.
Über allem „thront“ natürlich die Oper: die Opéra National de Paris mit ihren beiden Häusern, dem prunkvollen Palais Garnier und der postmodernen Opéra Bastille – ein Staatsunternehmen mit einem Jahresetat von rund 160 Millionen Euro und mit einem entsprechend „staatstragenden“, sprich: ultra-konservativen Publikum. Das Regietheater hat hier keine Chance, und entsprechend glücklos war denn auch bislang die Ära Gérard Mortiers, der seine vorletzte Saison im September mit Richard Strauss’ Capriccio (inszeniert von Robert Carsen) und Paul Dukas’ Ariane et Barbe-Bleue (in der Regie von Anna Viebrock) eröffnet. Vermutlich werden sie ihn wieder mit Pfiffen und Buh-Rufen überschütten, die Pariser, und darauf hoffen, dass Mortiers designierter Nachfolger Nicolas Joel, der die beiden Häuser ab der Saison 2009 / 2010 für zunächst sechs Jahre leiten wird, zu jenem altvertrauten Inszenierungs-Einerlei zurückkehrt, das niemanden stört oder verstört.
Die beiden Flagschiffe Garnier und Bastille mit ihren rund 1.500 Mitarbeitern sind freilich nicht die einzigen Pariser Opernhäuser. Auch die Opéra-Comique darf sich seit Januar 2005 wieder „Théâtre National“ nennen, wo Direktor Jérôme Deschamps in der neuen Saison mit Emmanuel Chabriers L’Étoile, Jean-Baptiste Lullys Cadmus et Hermione oder Louis-Ferdinand Hérolds Zampa Meisterwerke des französischen Musiktheaters präsentiert, die man anderenorts kaum je zu sehen bekommt – und schon gar nicht unter der Leitung so hochkarätiger Dirigenten wie John Eliot Gardiner, Vincent Dumestre oder William Christie!
Immer wieder sonntagsNeben dem herrlichen, 1898 eingeweihten Bau von Louis Bernier – einer Art Palais Garnier en miniature – nimmt sich das Théâtre du Châtelet von außen zwar deutlich schlichter aus, der Saal selbst aber erstrahlt seit seiner Renovierung 1999 gleichfalls wieder im schönsten Fin-de-siècle-Prunk. Auch hier können Opernliebhaber ihr Glück finden – etwa bei André Messagers Véronique oder Albert Roussels Padmâvatî –, doch zugleich ist das Châtelet eine der wichtigsten Musical-Spielstätten von Paris, beherbergt Orchesterkonzerte, Liederabende und die renommierte Klavierabend-Reihe Piano****. Besonders lohnend sind auch die Concerts du Dimanche matin, zu denen sonntags um 11 Uhr (bei freier Platzwahl) alles zu hören und zu sehen ist, was Rang und Namen hat.
...mehr im Heft!