Liebe Leserin, lieber Leser!
Dirigenten haben die zweithöchste Lebenserwartung. Nur Ordensschwestern werden im Durchschnitt älter. Kein Wunder, meint der Laie: Sie können hundert Orchestermusikern widerspruchslos ihren Willen aufzwingen. Sie kassieren Unsummen für ein Bewegungsprogramm, für das der Normalbürger seinem Sportstudio viel Geld bezahlt. Sie brauchen sich nicht vor dem Alter zu fürchten – je älter sie werden, desto umjubelter. Und ob sie wirklich gut sind, kann der normale Konzertgänger sowieso nicht beurteilen.
Wirklich nicht? Es gibt wohl keinen Musiker-Beruf, für dessen Beurteilung dem Laien so sehr die Maßstäbe fehlen wie den des Dirigenten. Und selbst die Fachleute – Kritiker, Orchestermusiker, Dirigenten selbst – tun sich schwer damit, den „Mythos Dirigent“ in verständliche Worte zu fassen. Wir wollen es in dieser Partituren-Ausgabe versuchen!
Lothar Zagrosek gewährt uns einen Blick in seine Partituren, Jung-Star Andris Nelsons öffnet uns die Tür zu einer Probe, und der legendäre Lehrer Jorma Panula lässt uns an einem Dirigierkurs teilnehmen. Wir befragen die junge Alte-Musik-Dirigentin Emmanuelle Haïm und den Altmeister der Neuen Musik Pierre Boulez, spüren der Faszination Carlos Kleibers nach, hören die Werke komponierender Pultstars und sehen nach, wo denn die Dirigentinnen bleiben. Und wie der „Luftsortierer“ aufs Orchester wirkt, verrät uns der Solo- Posaunist der Berliner Philharmoniker, Christhard Gössling.
Auf den letzten Heftseiten greifen wir künftig Themen aus dem aktuellen Musikleben auf – und besuchen diesmal akustisch gelungene Konzerthäuser.
Mit Sharon Kam und Gregor Bühl haben wir Mozarts Klarinettenkonzert und Beethovens Fünfte in verschiedenen Aufnahmen „blind gehört“ – die Kommentare lesen Sie ab Seite 64, die Aufnahmen selbst fi nden Sie auf unserer CD.
Und nun wünschen wir Ihnen viel Vergnügen mit dem neuen PARTITUREN.
Ihre PARTITUREN-Redaktion