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Geliebte Liebe
Geliebte Liebe 16 Prima voce - Wenn zwei sich nicht streiten

Lisa Batiashvili und François Leleux
Sie sind das heimliche Traumpaar der Klassik. Und ein ungewöhnliches dazu: Sie spielt die erste Geige, aber er gib  den Ton an. Lisa Batiashvili ist eine der führenden Geigerinnen der Welt, François Leleux einer der besten Oboisten. Mit der dreijährigen Tochter wohnt das Ehepaar in München.

Die Angestellten der Berliner Verkehrs-Betriebe streiken. Lisa Batia-shvili und François Leleux kommen mit Verspätung zum Treffpunkt und müssen früher per Taxi zum Flughafen. So verlegen wir unser Gespräch kurzerhand zum Italiener gegenüber dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo die beiden am Vortag ein phänomenales Konzert (mit Antoine Tamestit und Danjulo Ishizaka) gegeben haben. Beide wirken freundlich und unkompliziert und ergänzen den anderen oft im Gespräch.

Frau Batiashvili, Herr Leleux, man sagt: Liebe geht durch den Magen ...

LELEUX Besonders wenn man mit einer georgischen Frau verheiratet ist! In Georgien ist das Essen vom Feinsten! Lisas Mutter hat mich sehr verwöhnt, und jetzt Lisa auch, ich fühle mich sehr begnadet.
Geht Liebe für Musiker auch durch die Ohren?

BATIASHVILI Ich kannte François als Musiker schon vorher, als Mitglied des Bayerischen Rundfunksymphonie-orchesters und als Solist. Das war ein Erlebnis, so eine Oboe zu hören, aber es war eine rein musikalische Faszination. Wenn man sich dann persönlich kennenlernt und merkt, man hat soviel gemeinsam, so viele gemeinsame Träume, dann kommt alles zusammen, da spielt die Musik bestimmt auch eine Rolle. Aber es ist nicht so, dass man, wenn man jemanden als Musiker schätzt, ihn auch als Menschen mag.

Mochten Sie die Oboe schon vorher?

BATIASHVILI Ich kenne viele Oboisten, auch mein Halbbruder spielt Oboe. Aber ich hatte früher nicht solch eine Zuneigung und Vorliebe für den Oboenklang. Den habe ich erst, seit ich François gehört habe – aber ich glaube, das geht jedem so, der ihn hört. (lacht)

Wenn eines Tages der Punkt käme, an dem Sie sagen: Jeden Tag drei Stunden lang Oboe hören ertrage ich nicht mehr – wäre das das Ende Ihrer Ehe?

BATIASHVILI Drei Stunden muss ich es nie hören, das passiert nicht. Mit einem Musiker verheiratet zu sein, der – egal auf welchem Instrument – unglaublich schöne Musik machen kann, das ist für mich nur positiv. Ich weiß nicht, ob ich selbst Oboe spielen würde, wo ich das Privileg habe, ein so vollkommenes Instrument wie die Geige spielen zu können, aber seit ich François kenne, denke ich, dass man auch auf anderen Instrumenten gute Musik machen kann. (lacht)

Beides sind sehr emotionale, unmittelbare Instrumente. Verbindet das, oder sind Streicher und Holzbläser doch getrennte Welten?

LELEUX Beide Instrumente sind in ihrer Familie jeweils die Prima voce, das haben sie gemeinsam. Es gibt viele Barocksonaten, die für zwei Sopraninstrumente geschrieben sind, Oboen, Geigen, Flöten oder kombiniert, da gibt es unglaublich spannende Literatur, das verbindet. Es ist interessant zu sehen, wie ein Instrument den Charakter des Spielers prägt. Wobei schwer zu sagen ist, ob das Instrument den Menschen prägt oder der Mensch sich das passende Instrument wählt. Die Frage des Repertoires ist natürlich auch wichtig: Ob man als Geiger Beethoven, Brahms, Tschaikowsky spielt oder auf der Oboe Mozart, Strauss, Haydn, Hummel, das formt den Menschen unterschiedlich.

Sie wollten schon mit vier Jahren Oboe lernen. Was hat Sie gereizt?

LELEUX Die Klappen haben so schön geglänzt auf dem schwarzen Holz. (lacht)

Giya Kancheli hat für Sie ein Doppelkonzert geschrieben, das Sie im Februar in London uraufgeführt haben. War das Ihre Initiative?

BATIASHVILI Ja, Nicolas Bacri hat für uns auch schon etwas geschrieben. Das ist nicht unser Hauptprojekt, weil wir beide viel zu tun haben, aber ich finde es sehr schön, wenn wir das Repertoire erweitern können. Es passt sehr gut, diese beiden Sopraninstrumente, beide sehr differenziert und ausdrucksstark, zu kombinieren.

LELEUX Eine Uraufführung ist immer ein Risiko, sie kann auch daneben gehen, aber man muss seinem Herzen und Geschmack folgen, wenn man Komponisten anspricht. Das wichtigste ist, dass man aktiv bleibt und nicht immer nur Bach, Mozart und Beethoven spielt. ...mehr im Heft!

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