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Musikerleben 2
Tipps für Chorsänger – und solche die es werden wollen

Soll ich in einen Chor?
Wollten Sie schon immer mal in einem Chor singen und haben sich bisher nicht getraut? Oder singen Sie und haben Fragen? Ein paar haben wir schon einmal gesammelt und jemandem gestellt, der es wissen muss.
ROBERT SCHLEE ist Chorleiter und Organist an der Münchner Wallfahrtskirche St. Maria Thalkirchen sowie Korrepetitor und Chorassistent der Neubeurer Chorgemeinschaft.

Was kann ich tun, wenn mir die eigene Stimme nicht gefällt?

Dieses Problem kommt nicht selten vor. Viele Sänger denken, ihre Stimme sei nicht schön. Das ist aber oft gar nicht der Fall, da der innere und äußere Höreindruck sehr voneinander abweichen können. Der Standardspruch meiner ersten Gesangslehrerin war: Du musst deine Stimme lieben. Das kann ich allen nur raten.

Braucht man denn überhaupt eine „schöne“ Stimme?

Natürlich braucht jeder Chor „schöne“ Stimmen. Doch diese entwickeln sich oft durch intensive Arbeit am Chorklang. Von großer Bedeutung hierfür ist eine anpassungsfähige Stimme! Wenn die Stimme nicht ganz so „schön“ ist, sich aber gut in die Gruppe einfügt, ist diese ein Gewinn für den Chor. Wenn eine Stimme, sei sie noch so schön, sich nicht in den Chorklang einfügen kann, führt dies unweigerlich zu Problemen.

Was kann ich tun, um meine Fähigkeiten zu verbessern?

Stimmbildung ist das A und O: Ich biete in meinem Kirchenchor immer eine halbe Stunde vor Probenbeginn Stimmbildung an. Das zahlt sich aus und ist gut investierte Zeit. Sonst stoßen die Sänger immer wieder an dieselben Grenzen. Bei Laienchören kommt es oft vor, dass Sänger nach der Probe heiser sind. Hier muss bei jedem Chorleiter die Alarmglocke läuten. Er muss etwas tun, ansonsten verheizt er die Stimmen.

Und wenn der eigene Chorleiter da nichts tut?

Wenn vom Chorleiter nichts kommt, kann man auch selbst initiativ werden und wenigstens in ein paar Stunden Stimmbildung investieren. Ein ausgebildeter Gesangslehrer kann einem ein gewisses Grundwissen vermitteln. Dann gilt es, das Erlernte im Chor und im Einzeltraining fortzuführen, und bei Bedarf eine Kontroll- bzw. Auffrischstunde zu nehmen. Ganz ohne Führung wird es schwierig, kommt man doch immer wieder an stimmliche Grenzen.

Hilft das noch, wenn man schon 50 Jahre im Chor singt?

Man kann mit älteren Sängern viel erreichen: schlank geführte Stimmen, non vibrato, etc. Das dauert zwar, ist aber in vielen Fällen möglich, vorausgesetzt der Chorleiter leistet stimmliche Arbeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade „ältere“ Chorsänger dankbar klangliche Arbeit annehmen.

Muss man außer singen zu wollen noch etwas mitbringen für einen Chor?

Grundvoraussetzungen sind die Bereitschaft zu intensiver, regelmäßiger Probenarbeit und der Wille, Zeit für den Chor zu investieren. Daneben sollte man den Wunsch mitbringen, sich auf sozialer Ebene der Gruppe anschließen zu wollen. Aktionen wie Feste, Ausflüge, gemeinsame Unternehmungen, usw. können solche sozialen Strukturen festigen und dienen dem Gemeinschaftsgefühl.

aufgezeichnet von KLEMENS HIPPEL
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