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Sergej Rachmaninow
Sergej Rachmaninow Ein neues Klavierkonzert !?

Erst als Alexandre Rachmaninov, Sergejs Enkel, anrief und ihn bat, das Experiment zu wagen, machte sich Alexander Warenberg daran, Rachmaninows zweite Symphonie in ein Klavierkonzert zu verwandeln. Jahre zuvor hatte Pieter van Winkel, Chef von Brilliant Classics und selbst Pianist, die Idee an ihn herangetragen: „Wir haben diese fantastischen Klavierkonzerte von Rachmaninow. Und ich höre noch ein weiteres Konzert, die zweite Symphonie.“
Warenberg lehnte ab, schließlich hatte der Komponist das Werk als Symphonie gedacht. Doch van Winkel ließ nicht locker. Drei Jahre lang fragte er immer wieder nach. Denn wer wäre besser für die Aufgabe geeignet als Warenberg, van Winkels einstiger Professor am Konservatorium von Utrecht? Der Pianist und Komponist, der heute in Belgien lebt, stammt aus einer alten russischen Musikerfamilie. Bevor eine Armverletzung seine Konzertlaufbahn einschränkte, hat er sehr viel Rachmaninow gespielt: „Seine Musik besitzt eine ganz besondere Sensibilität und emotionelle Tiefe, außerdem hat sie diese unglaublichen musikalischen Einfälle und die Virtuosität.“
So vorsichtig wie akribisch machte sich Warenberg an die Arbeit – und ließ dann doch keinen Stein auf dem anderen. Wie die übrigen Klavierkonzerte Rachmaninows sollte das neue Werk dreisätzig sein. Warenberg kürzte die Rahmensätze beträchtlich und verschmolz die beiden Mittelsätze, indem er Passagen aus dem Scherz  ins Adagio einfügte. Der langsame mittlere Satz des neuen Klavierkonzerts wartet so in seinem Zentrum mit einer temperamentvollen Überraschung auf. Bei der Komposition des Klavierparts ging es Warenberg um eine Neuerfindung im Geiste Rachmaninows. Doch mit der Hinzufügung der Klavierstimmen allein war es nicht getan, die gesamte Instrumentation musste neu ausbalanciert werden. „Da die Klavierstimme bei Rachmaninow eine sehr komplexe Struktur hat, wirkt sie wie ein zweites Orchester. So etwas wäre in der zweiten Symphonie zu dicht gewesen, also musste ich sehr viel verändern. Ich habe wirklich jede Note neu geschrieben“, so Warenberg.
Fünf Jahre arbeitete er am „Rach 5“. Wüsste man es nicht, könnte man tatsächlich meinen, ein verschollenes Werk sei aufgetaucht, so organisch fügt sich der Solopart ins Material der Symphonie. Vielleicht liegt es daran, dass es Alexander Warenberg insgeheim nicht anders ging als Pieter van Winkel: Irgendwo im Hintergrund der zweiten Symphonie hat er schon immer das Klavier gehört.

ECKHARD WEBER


Zwei Weltpremieren

Nur sehr selten lässt Alexandre Rachmaninov Gäste ins Haus seines Großvaters am Vierwaldstättersee. Den russischen Pianisten Denis Matsuev lud er nun gar zu einer Plattenaufnahme am Flügel Sergej Rachmaninows ein  Neben der zweiten Sonate, zwei Préludes und drei Études-Tableaux konnte der Gewinner des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs 1998 zwei „Uraufnahmen“ einspielen: Von der Fuge d-moll waren bislang nur zwe  Seiten bekannt, die fehlende dritte fand sich kürzlich im Archiv des Glinka-Museums in Moskau. Dort machte man auch den zweiten Fund: die Suite d-moll, ebenfalls ein Studienwerk von 1891, deren große Besetzung das Orchester des Konservatoriums überforderte und die Rachmaninow daher für Klavier setzte. Das fast 20-minütige Werk zeigt anschaulich, wie der 18-Jährige dabei ist, seine eigene Handschrift zu finden.
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