Stille Tage am Comer See - Franz Liszt und die Gräfin d’Agoult
Er war der Herzensbrecher par excellence, sie war schön, reich und klug. Nur leider verheiratet. Gemeinsam bildeten sie eines der berühmtesten Liebespaare der Romantik. Drei himmlische Monate verbrachten Franz Liszt und Marie Gräfi n d’Agoult in Bellagio am Comer See.Wenn Sie die Geschichte zweier glücklicher Liebender schreiben, so wählen Sie als Schauplatz die Ufer des Comer Sees! Ich kenne sonst keine so offensichtlich vom Himmel gesegnete Landschaft, keine, in der der Zauber eines liebeerfüllten Lebens natürlicher erscheinen könnte.“ Dies schrieb Franz Liszt am 20. September 1837 in Bellagio, der „Perle des Comer Sees“, wie der Ort sich heute stolz nennt. Er war nicht der erste, der dem Zauber des von hohen Gipfeln umfangenen Wassers verfi el. Schon Plinius der Jüngere erbaute sich dort, wo die drei Arme des Y-förmigen Sees sich treffen, auf jenem Vorgebirge, das einen atemberaubenden Blick in den nördlich auf schneebedeckte 2000er zu- führenden Seearm gewährt, seine „Villa Tragoedia“. Shelley fand das Panorama schöner als alles, was er bislang gesehen; der weitgereiste Stendhal schwärmte nicht minder, und Flaubert wollte in dieser „Shakespeare’schen Landschaft“ am liebsten gleich tot umfallen („on voudrait vivre ici et y mourir“). Die Romantiker waren generell empfänglich für Italiens Reize, aber dieser Mix aus südlicher Anmut und alpiner Majestät schlug sie vollends in den Bann. „Ja, mein Freund, wenn Sie in Ihren Träumen das Idealbild einer jener Frauen vorüberziehen sehen, deren dem Himmel entstammende Schönheit nicht die Sinne verführt, sondern die Seele erhebt; wenn Sie ihr zur Seite einen Jüngling von treuem und aufrichtigem Herzen erblicken, dann verweben Sie beide in eine ergreifende Liebesgeschichte und lassen Sie diese mit den Worten beginnen: An den Ufern des Comer Sees.“ Liszt musste es wissen, mit ergreifenden Liebesgeschichten kannte der knapp 26-Jährige sich aus. Kein Grund allerdings für uns Normalsterbliche, neidisch zu werden. Denn wahres Liebesglück fand der größte Herzensbrecher der Romantik allenfalls für kurze Zeiten. Drei Liebesver- hältnisse prägten sein langes Leben, zwei von ihnen scheiterten tragisch-schön. Mit 16 verguckte sich der schon in Paris wohnende Pianist unsterblich in die Gräfin de Saint Cricq, doch deren standesbewusster Vater verbot dem Wunderknaben den Kontakt. Liszt suchte Trost in religiösen Schwärmereien, seine Caroline wollte gar ins Kloster.
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