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Alte Musik
Alte Musik 03

Vokalmusik aus vier Jahrhunderten bindet das Orlando Consort zu einem bunten Strauß Blumen, die allemal die Liebe verkörpern (1 I The Rose, the Lily & the Whortleberry, harmonia mundi HMU 907398). Musikalische Rosen, Lilien und Heidelbeeren sind es, die in diesen teils amourösen, teils himmlischen Gärten wachsen und uns quer durch das Europa des Mittelalters und der Renaissance führen. Die Chansons und Madrigale, Motetten und Messsätze werden von den fünf Sängern ebenso bravourös wie einfühlsam vorgetragen. Das farbenprächtige, umfangreiche Booklet ordnet sie musik-, aber auch gartengeschichtlich ein.

Das Ensemble Tonus Peregrinus versammelt Messsätze von John Dun-stable aus der Zeit des Hundertjährigen Krieges (2 I „Sweet Harmony“, Naxos 8.557341). In Dunstables sonor-harmonischen Dreiklängen verabschiedet sich das Mittelalter, die Renaissance kündigt sich an. Das meist chorisch besetzte junge Ensemble aus England lässt den terzenseligen, spirituellen Wohlklang in aller Pracht und Frische erstehen. Drei Jahrhunderte liegen zwischen diesem Neubeginn der abendländischen Musik und dem Hochbarock eines Bach, Couperin oder Veracini. Angela Hewitt hat aus François Couperins Pièces de Clavecin nun schon zum dritten Mal eine Auswahl getroffen und auf dem modernen Flügel eingespielt. (3 I „Keyboard Music 3“, Hyperion CDA67520) Mit subtilem Anschlag und lebendiger Agogik bringt sie die gleichermaßen diskret wie rituell in und um sich selbst kreisende Musik zum Klingen – Charakterstücke, die den Hörer in die höfische Welt eines Watteau oder Fragonard entführen und endloses Vergnügen bereiten.

Von solch melancholischer Verspieltheit ist in Johann Sebastian Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo nichts zu spüren. Gidon Kremer, der sich dem Gipfelwerk der Violinliteratur ein Vierteljahrhundert nach seiner ersten Einspielung erneut stellt, musiziert sie mit aller Strenge. Stupende Virtuosität und geistige Durchdringung des Notentextes summieren sich zu einer Interpretation, die die geheime Mathematik von Bachs Zahlenmusik auf überwältigende Weise umsetzt. (4 I ECM New Series 1926/27) Francesco Maria Veracini ist als exzentrischer Barock-Pagagini in die Musikgeschichte eingegangen. John Holloway demonstriert mit schnörkellosem Spiel, dass der komponierende Eigenbrötler gar nicht so weit von Bach entfernt war. Beispiele aus jeder der vier großen Sammlungen Veracinis verdeutlichen die Spannweite und Entwicklung seiner Kunst (5 I ECM New Series 1889). „Ich bitte dich, mehr“, möchte man dem Produzenten Manfred Eicher mit den Worten des Höflings Jacques aus Shakes-peares „Wie es euch gefällt“ zurufen!

Uwe Schweikert

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