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Technik begeistert Technik begeistert
Arnt Cobbers spielt auf dem Player Piano

Jürgen Hocker ist einer dieser positiv Verrückten, die es braucht, um ungewöhnliche Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. 1980 hatte der promovierte Chemiker und Klavierliebhaber aus reiner Neugier ein „pneumatisches Klavier“ gekauft. Und er war bereits ein ziemlicher Experte auf dem Feld der Selbstspielklaviere, als er im November 1982 in den Kölnischen Kunstverein aufbrach – zu einem Abend, der sein Leben verändern sollte.

"Studien für mechanisches Klavier" standen auf dem Programm des WDR-Konzerts. György Ligeti, der berühmte Komponist, stellte einen scheuen alten Herrn mit weißem Spitzbart, dessen Namen kaum einer im Saal je gehört hatte, als den bedeutendsten lebenden Komponisten vor: Conlon Nancarrow, der eigens aus Mexiko eingeflogen war. Dann wurde ein Tonband angestellt, und über die verblüffte Zuhörerschaft ergoss sich eine wahre Flut an Klaviertönen, rasend schnell und rhythmisch hochkomplex, ein orgiastischer Rausch, der nach zwei Minuten abrupt verebbte. Es folgten weitere kurze Stücke, und Hocker war so beeindruckt, dass er beschloss, alles daranzusetzen, diese Musik eines Tages "live" aufzuführen.

Zwei Jahre fahndete er nach einem geeigneten Instrument, ehe er im Lager eines Karussellorgelsammlers nahe Antwerpen einen völlig ramponierten Bösendorfer fand, dessen Ampico-Selbstspieleinrichtung aber vollständig erhalten war. Und es dauerte zwei weitere Jahre, bis ein junger Klavier- und Orgelbauer das Instrument wieder spielfähig gemacht hatte.

Mehr als Plunder
1987 fragte das Holland Festival an, ob Hocker sein Player Piano für ein Nancarrow-Konzert zur Verfügung stellen würde. Er tat es mit Freuden, zumal auch Nancarrow anreisen wollte. Der Abend in Amsterdam wurde der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, über die Jürgen Hocker ein schönes Buch, "Begegnungen mit Conlon Nancarrow" (Schott-Verlag 2002), geschrieben hat. In den folgenden Jahren gaben Nancarrow, Hocker und das Player Piano Konzerte vor tausenden Zuhörern auf den großen Festivals Europas, und bis zuletzt staunte Nancarrow, welche Begeisterung ihm und seiner Musik entgegenschlug. "Es gibt so viele Künstler und Schriftsteller, die daran glauben, dass sie etwas Bedeutendes geschaffen haben, aber es erweist sich als Plunder. Ich dachte, bei mir wäre es ähnlich, aber nun sehe ich, dass es nicht so ist."

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