Star Wars
Klemens Hippel besucht die Schlachtfelder der Virtuosen
Egentlich geht es nur um eins, wenn die Virtuosen auf den Plan treten:
um die Gunst der Zuhörer! Darum, sie mit verblüffenden technischen
Fähigkeiten zu beeindrucken und zum Staunen zu bringen. Wie es Vivaldi
tat, von dessen geigerischen Fähigkeiten der deutsche Reisende Freiherr
von Uffenbach fasziniert berichtet: „Gegen das ende spielte der vivaldi
ein accompagnement solo, admirabel, woran er zuletzt eine phantasie
anhinng die mich recht erschrecket, denn dergleichen ohnmöglich so
jemals ist gespielt worden noch kann gespiehlet werden, denn er kahm
mit den fingern nur einen strohalm breit an den steg daß der bogen
keinen platz hatte.“ Wie es Paganini schaffte, dem der Legende nach am
Ende des Konzertes nur die tiefste (und dickste) Saite nicht gerissen
war, auf der er dann immer weiter improvisierte. Oder wie es Franz
Liszt gelang, der stets seinen Klavierbauer dabei hatte – damit er
zwischendurch das ruinierte Klavier reparieren konnte.
High Noon der Virtuosen
Am aufregendsten ist der Wettstreit um die Gunst des Pub-likums
natürlich, wenn man sich im direkten Vergleich messen, sich
herausfordern und provozieren kann. Klingt zu sehr nach Sport? Aber
genau so hat es angefangen! Bei den alten Griechen war der Wettstreit
der Musiker Teil der Sportwettkämpfe. Kein Geringerer als Pindar
widmete seine 12. Pythische Ode nicht einem Boxer oder Läufer, sondern
einem Flötisten. Sogar der Held Herakles, sonst keiner musischen
Neigungen verdächtig, wird musizierend abgebildet: Ein richtiger Athlet
besaß eben auch musikalische Fähigkeiten.
Und noch Nero soll nicht nur als Wagenlenker, sondern auch als Sänger
an den Olympischen Spielen im Jahre 67 teilgenommen haben.
Sportlich ging es auch später noch oft zu – der Wettstreit um
den Titel des besten, schnellsten, virtuosesten Musikers zieht sich
durch die gesamte Musikgeschichte (und auch die heutigen
Musikwettbewerbe haben daran durchaus Anteil). Selbst als der Begriff
noch gar nicht erfunden war, traten Musiker gegeneinander an, um den
Virtuoseren unter ihnen zu küren. So wird dem blinden Organisten
Francesco Landini ein legendärer Orgelwettkampf im 14. Jahrhundert in
Venedig nachgesagt, später waren es vor allem Geiger und Pianisten, die
sich Schauwettkämpfe lieferten.
Hier taten sich gerade die Berühmten hervor: Beethoven
maß sich mehrfach mit Herausforderern wie dem Abbé Vogler, mit dem er
sich in der Kunst der Improvisation auseinander
setzte, Mozart wurde vom Kaiser höchst persönlich zu einem Wettspiel
mit Clementi geladen. Später äußerte er sich übrigens recht abfällig
über seinen Kontrahenten. Clementi habe „um keinen kreutzer gefühl oder
geschmack“ und sei „mit einem Wort: ein bloßer Mechanicus“. Respektvoll
gingen dagegen Händel und Scarlatti miteinander um, deren Wettstreit im
Hause des Kardinals Ottoboni – eine Seltenheit – unentschieden ausging:
Am Klavier gewann Scarlatti, an der Orgel Händel. Was Johann Sebastian
Bach über den ausgefallenen Kampf mit dem französischen Cembalisten
Louis Marchand dachte, ist leider nicht überliefert. Deutschen Quellen
zufolge reiste Marchand überstürzt ab, um nicht gegen den damaligen
Weimarer Kapellmeister antreten zu müssen (wie unsportlich!), eine
französische Quelle führt diese Abreise dagegen auf Heimweh zurück...
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