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Vendig verfallen
Konrad Junghaenel Mehr Raum verlangt Mehrchörigkeit
Der Lautenist Konrad Junghänel

Mit seinem Vokalensemble Cantus Cölln zählt Konrad Junghänel zu den führenden Interpreten der Musik des 17. Jahrhunderts. Neben Aufnahmen berühmter Werke wie Monteverdis Marienvesper hat er auch weniger bekannte venezianische und in Venedig tätige Meister wie Johann Rosenmüller, Giovanni Rovetta oder Benedetto Marcello einem breiten Publikum vorgestellt.

So unproblematisch können Künstler sein! Als ich beim Cantus Cölln anfrage, ob Konrad Junghänel mir ein Interview über die Musik an San Marco geben könne, kommt postwendend die Antwort: Kein Problem, Herr Junghänel ist in der nächsten Woche zu Hause. Melden Sie sich einfach, wann es Ihnen passt ...

Partituren Herr Junghänel, die Musik venezianischer Meister nimmt in Ihrer Diskographie einen breiten Raum ein. Ist das Geschmack oder Zufall?

Junghänel Das ist Zufall, Geschmack und Geschichte. Venedig war in der Musik des 17. Jahrhunderts, mit der wir uns intensiv beschäftigen, tonangebend. Es gab damals natürlich noch andere Musikzentren, allen voran Mantua und Florenz. Rom war noch nicht ganz so wirksam. Aber Venedig hat schon immer diese ungeheure Anziehungskraft auf die Menschen ausgeübt, gerade auf die romantischen Deutschen. Deshalb gingen dort ja auch all die „Austauschschüler“ aus Deutschland am liebsten hin.

Partituren Zu Hause konnten die nicht studieren?

Junghänel Eine eigenständige deutsche Musik gab es Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts noch nicht. Man schickte einen Heinrich Schütz eben nach Italien, um ihn mit dem höchsten Stand der Kunst vertraut zu machen. Und wer einmal in Venedig gewesen war, den ließ es nicht wieder los.
Bei Schütz kann man das gut sehen: Sein Madrigalbuch op. 1, das er noch in Italien geschrieben hat, ist so modern und revolutionär wie kein späteres Werk mehr.
Er hat sich vollständig vereinnahmen lassen von diesem Umfeld. Und man hört, dass er in mindestens eine Venezianerin verknallt gewesen ist, er hat sein ganzes emotionales Herzblut in die Musik gelegt.

Partituren Gabrieli, Monteverdi, Cavalli, Lotti – die Kapellmeister von San Marco sind wohl die illustreste Gesellschaft in der Musikgeschichte.

Junghänel Das kann man wohl sagen. Man denkt natürlich im Vergleich immer an die Thomaskirche in Leipzig, aber da gab es eben vor allem den ganz großen Johann Sebastian Bach. Unter seinen Vorgängern waren zwar auch einige bemerkenswerte Kantoren, aber das ist überhaupt nicht mit San Marco zu vergleichen.
Es gibt in der abendländischen Musik keinen Ort, der mithalten könnte. Und das ist umso erstaunlicher, als die Position des Markuskapellmeisters immer auch einen kleinen Wermutstropfen beinhaltete. Es war zwar eine Prestigeposition, aber sie beschnitt die Komponisten auch in ihren Möglichkeiten.

Vor allem seit Monteverdi, als die Oper aufkam, die man ja schlecht im Markusdom aufführen konnte. Francesco Cavalli ist ein gutes Beispiel. Seine Musik für San Marco ist schön, aber nicht weltbewegend, während seine Opern zu den ganz großen Werken gehören. Er hat das Amt als Kapellmeister an San Marco wohl vor allem als sichere Stelle gesehen – innerlich hingezogen fühlte er sich zur Oper.

Partituren Was fasziniert Sie an der Musik, die für San Marco komponiert wurde?

Junghänel Der Ort hat die Komponisten sehr stark beeinflusst.

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