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Die Partituren-Umfrage
Die Partituren Umfrage

Welcher Musiker beeindruckt Sie derzeit am meisten?

56 führende deutsche Musikkritiker antworten

Umfragen sind ungerecht! Sie gaukeln objektive Wertungen vor, wo subjektive Geschmäcker eine große Rolle spielen. Sie führen zu Bestenlisten, die eigentlich Unsinn sind. „Den besten Dirigenten“ oder „die beste Instrumentalistin“ gibt es nicht. Dennoch sind Umfragen beliebt im Musikjournalismus. Und sie sind sinnvoll – wenn man ihre Ergebnisse zu lesen versteht. Denn Umfragen sagen nicht nur etwas über die Objekte der Umfrage aus, sondern auch über die Juroren. Und das sind in der Partituren-Umfrage führende deutsche Musikkritiker. Leute, die das Bild der Klassik und die Karrieren von Musikern durch ihre Urteile mitprägen und beeinflussen können. Und in jedem Urteil steckt, bei aller Erfahrung und noch so viel Wissen, immer ein großer Teil Geschmack, Vorliebe, Neigung. Wir präsentieren Ihnen alle Voten der beteiligten Journalisten auf den folgenden Seiten – in Kurzform. Wir hatten es unseren Juroren freigestellt, ihre Wahl zu begründen, und viele von ihnen haben dies in ein oder mehreren Sätzen getan. Alle ausführlichen Begründungen finden Sie im Internet unter www.partituren.org.

In den Umfragen in der Klassikszene geht es erstaunlicherweise so gut wie immer um neue CDs. Entweder wird die CD des Jahres in verschiedenen – zum Teil unüberschaubar vielen – Kategorien gekürt. Oder es gibt einen „Instrumentalisten des Jahres“, der nur deshalb diesen Titel trägt, weil er im aktuellen Kalenderjahr eine herausragende CD veröffentlicht hat. Aber das Wirken eines Musikers ist doch viel umfassender! Dazu gehören sein Konzertrepertoire, sein Tourneeplan, sein Einfluss auf andere Musiker – als Vorbild, Lehrer, Anreger, Kammermusiker etc. – und vielleicht auch die Positionen und Standpunkte, die er in der Kulturpolitik einnimmt. All dies zusammengenommen formt das Bild einer Musikerpersönlichkeit. Und dieses Bild ändert sich nicht pünktlich zum Jahreswechsel, sondern allmählich oder auch plötzlich – zumindest aber nicht mit dem jeweiligen Kalenderjahr.

Wir haben unsere Umfrage auf sieben Kategorien beschränkt – und unseren Juroren weitgefasste Fragen gestellt. Die meisten haben sich an die Bitte gehalten, möglichst nur einen Namen pro Kategorie zu nennen. Das macht die Ergebnisse pointierter – aber auch ungerechter. So mancher Kritiker hat uns abgesagt, weil er sein Urteil nicht nur auf jeweils einen Musiker fokussieren wollte. Dennoch: 56 Voten ergeben einen Überblick, wen die deutschen Musikjournalisten aus Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften derzeit für besonders wichtig, beeindruckend, innovativ, wegweisend oder spannend halten, von wem derzeit die wichtigsten Impulse ausgehen.

Besonders frappierend: Die Kritiker waren sich absolut nicht einig. Zwar gibt es meist einen eindeutigen Sieger. Doch die Zahl der Musikerinnen und Musiker, die nur einmal genannt wurden, ist erstaunlich groß. Wir führen all jene Namen auf, die mindestens von zwei Kritikern genannt wurden.

 

DIE GEWINNER
(mit der jeweiligen Stimmenzahl)

Welche Musikerpersönlichkeit beeindruckt Sie derzeit am meisten?
• Nikolaus Harnoncourt (5)
• Claudio Abbado, Pierre Boulez, Mariss Jansons, Simon Rattle, Grigori Sokolow, Masaaki Suzuki (je 2)

Wen halten Sie derzeit für die wichtigste/interessanteste Musikerpersönlichkeit unter den Dirigent(inn)en?
• Nikolaus Harnoncourt (9)
• René Jacobs, Mariss Jansons (8)
• Simon Rattle (7)
• Esa-Pekka Salonen, Christian Thielemann (5)
• Daniel Barenboim, Simone Young (4)
• Michael Gielen, Thomas Hengelbrock (3)
• Riccardo Chailly, Paavo Järvi, Kent Nagano, Kirill Petrenko (je 2)

Wen halten Sie derzeit für die wichtigste/interessanteste Musikerpersönlichkeit unter den Instrumentalisten? (Wenn Sie nicht zwischen Geiger, Pianist oder einem dritten gewichten wollen, nennen Sie alle drei)
• Pierre-Laurent Aimard (9)
• Alfred Brendel, Gidon Kremer, Grigori Sokolow (5)
• Hilary Hahn, Christian Tetzlaff, Frank Peter Zimmermann (4)
• Julia Fischer, András Schiff, Andreas Staier, Thomas Zehetmair (3)
• Piotr Anderszewski, Daniel Barenboim, Marc-André Hamelin, Heinz Holliger, Daniel Hope, Evgeny Kissin, Michael Korstick, Anne-Sophie Mutter, Ivo Pogorelich (je 2)

Wen halten Sie derzeit für die wichtigste/interessanteste Musikerpersönlichkeit unter den Sänger(inn)en?
• Christine Schäfer (12)
• Thomas Quasthoff (7)
• Christian Gerhaher (6)
• Juan Diego Flórez (5)
• Rolando Villazón (4)
• Angelika Kirchschlager, René Pape, Nina Stemme (3)
• Cecilia Bartoli, Elena Garança, Matthias Goerne, Dietrich Henschel, Vesselina Kasarova, Magdalena Ko?zena, Simon Keenlyside, Sara Mingardo (je 2)

Welches Kammerensemble halten Sie derzeit für das wichtigste?
• Artemis-Quartett (14)
• Ensemble modern (4)
• Arditti-Quartett (3)
• Petersen-Quartett, Ensemble Recherche, Hagen-Quartett, Henschel-Quartett, Leipziger Streichquartett, Mahler
Chamber Orchestra (je 2)

Wen halten Sie derzeit für die wichtigste/interessanteste Musikerpersönlichkeit unter den Komponist(inn)en?
• Jörg Widmann (5)
• John Adams, Wolfgang Rihm (4)
• Olga Neuwirth, Matthias Pintscher (3)
• Beat Furrer, Hans Werner Henze, Klaus Huber, György Kurtág, Arvo Pärt, Salvatore Sciarrino (je 2)

Wessen Namen werden Sie aus heutiger Sicht am ehesten in 10 oder 15 Jahren in der jeweiligen Rubrik nennen?
• Julia Fischer, Geige (9)
• Gustavo Dudamel, Dirigent (6)
• Cornelius Meister, Dirigent (5)
• Quatour Ébène (3)
• Thomas Adès (Komponist), Sol Gabetta (Cello), Daniel Hope (Geige), Jerusalem String Quartet, Lise de la Salle (Klavier), Martin Stadtfeld (Klavier) (je 2)


Die Antworten der "Juroren" im einzelnen:

Ulrich Amling, Der Tagesspiegel, Berlin
- Instrumentalist/in: Pierre-Laurent Aimard (Klavier). Vom Zeitgenössischen ins Universelle: Aimard ist immer ein inspirierender Reiseleiter.
- Dirigent/in: Sir Simon Rattle. Rattle hat die Kraft für Umwege, die seinen Kritikern fehlt. Er weiß, dass das Außergewöhnliche Zeit braucht.
- Sänger/in: Christine Schäfer (Sopran). Modern, radikal, ergreifend.
- Kammerensemble: Artemis-Quartett. Modern, radikal, ergreifend.
- Komponist/in: Salvatore Sciarrino. Ein Komponist, der sein Drama in der Stille findet. Ein Segen.
- Nachwuchs: Sol Gabetta (Cello), Gustavo Dudamel (Dirigent), Philippe Jaroussky (Countertenor).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: William Christie (Dirigent). Die Entdeckung der Leichtigkeit. Elegant und neugierig als Interpret und Entdecker neuer Stimmen. Christie ist ein Gesamtkunstwerk.

Astrid Belschner, RBB-Kulturradio, Berlin
- Instrumentalist/in: Anne-Sophie Mutter - ihre Interpretationen sind nicht immer unumstritten, aber sie nimmt besonders positiven Einfluss auf die Musikerziehung und andere wichtige Fragen der Musikförderung unserer Zeit.
- Dirigent/in: Mihkel Kütson, Estland - eigentlich noch ein Nachwuchsdirigent, aber es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, dass er in der ersten Reihe steht.
- Sänger/in: Thomas Quasthoff.
- Kammerensemble: Nash Ensemble of London, Beaux Arts Trio.
- Komponist/in: Sofia Gubaidulina und Pierre Boulez.
- Nachwuchs: Tatjana Blome, Klavier (Berlin) - sie braucht den Schutz des Begriffes "junge Musikerin" eigentlich nicht mehr, denn sie ist eine gestandene, tolle Pianistin. Aber sie verdient noch mehr Aufmerksamkeit und Förderung.

Susanne Benda, Stuttgarter Nachrichten
- Instrumentalist/in: Hilary Hahn, Daniel Müller-Schott.
- Dirigent/in: Thomas Hengelbrock, Cornelius Meister, Constaninos Carydis.
- Kammerensemble: Henschel-Quartett, Ensemble modern.
- Komponist/in: Jörg Widmann, Isabel Mundry.

Jan Brachmann, Berliner Zeitung
- Instrumentalist/in: unter den Pianisten: Grigorij Sokolow. Die Gründe entziehen sich einer urteilenden, der Aussagelogik verpflichteten Sprache. Sokolow dringt derart in die Tiefen des Musikalischen vor, dass nur eine poetische oder magische Sprache hier angemessen wäre. Die steht mir nicht zur Verfügung.
Unter den Geigern: Gidon Kremer. Er hat für Tongebung und Technik ein Konzept von Schönheit spielend entwickelt, das von klassischen Vorstellungen des Ebenmaßes, der Rundung, des Wohlklangs abweicht, aber durch die Musik selbst gerechtfertigt scheint.
Unter den Weiteren: Jordi Savall. Ohne ihn würde uns die Gambe vielleicht noch immer als schwachbrüstiger Vorläufer des Violoncellos erscheinen. Savall hat uns die Unersetzlichkeit der Gambe klar gemacht; alles, was er anfasst, lebt.
- Dirigent/in: Nikolaus Harnoncourt. Er hat mit starken philologischen Argumenten und musikalischer Suggestionskraft den bedeutendsten Paradigmenwechsel in der Interpretationsgeschichte der Nachkriegszeit ausgelöst. Es gibt kein Konzert mit ihm, bei dem ich nicht hörend Neues gelernt hätte.
- Sänger/in: Christoph Prégardien. Trotz vorbildlicher Diktion, trotz einer an Wortbedeutungen orientierten Ausdruckskunst wahrt er die Prinzipien des klassischen Gesangs mit seiner hohen Legato-Kultur und einer an rein musikalischen Verläufen orientierten Phrasierung.
Christine Schäfer. Da kommen Intelligenz und Charisma zusammen. Bei ihr ist Gesang die Einheit von Wort, Musik und Körperbewegung. So wird aus der Stimme eine Figur.
- Kammerensemble: Immer noch das Borodin-Quartett. Möge der Cellist Valentin Berlinski lange leben. Jede Phrase ist hier mit Lebenserfahrung getränkt und widerstrebt ebenso dem schnellen Effekt wie dem Blattgold der Idealisierung.
- Komponist/in: Klaus Huber. Ohne aus der Gegenwart zu flüchten, steht er mit ältesten europäischen und außereuropäischen Überlieferungen in Verbindung und gewinnt neue Vokabeln für eine sprechende Musik, die nicht gefällig ist und trotzdem Momente des Beschenktwerdens durch Schönheit zulässt.
- Nachwuchs: Pianisten: Boris Berezovsky, Peter Jablonski; Geiger: Nikolaj Znaider, Baiba Skride; Dirigenten: Kirill Petrenko; Sänger: Stéphane Degout (frz. Bariton); Sängerinnen: Elin Rombo (schwedische Sopranistin); Kammerensemble: Quatuor Danel, Kungsbacka Piano Trio.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Grigorij Sokolow

Lothar Brandt, Audio, Stuttgart
- Instrumentalist/in: Dieter Klöcker (Klarinettist), weil er unermüdlich forscht und auch künstlerisch fragwürdige und kommerziell hoffnungslose Fälle zumindest bekannt macht.
Andreas Staier (Pianist), weil er ständig künstlerische Höchstleistungen abliefert.
- Dirigent/in: Simone Young, Simon Rattle. Sie behauptet sich überzeugend in einer vermeintlichen Männerdomäne und nimmt auch Rückschläge souverän hin. Er hat immer noch Mut, verlangt immer noch Top-Leistungen und liefert noch immer überzeugende Tonträger ab.
- Sänger/in: Anne Sofie von Otter für ihren Mut und ihr Können, John Treleaven für seinen unglaublichen Wagner-Tenor.
- Kammerensemble: Abegg Trio: Vielleicht nicht das wichtigste, aber eines der konstantesten.
- Komponist/in: Robert Levin, weil er endlich ernst zu nehmende neue Bearbeitungen/Fortschreibungen/Fassungen großer unvollendeter Meisterwerke wie des Mozart-Requiems schafft.
- Nachwuchs: Julia Fischer (Geigerin, wenn auch schon fast etabliert), weil sie enormes Talent mit viel künstlerischem Selbstbewusstsein verbindet. Die lässt sich nicht verheizen.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Thomas Zehetmair (Geiger), weil er unbeirrt seinen Weg geht. Daniel Barenboim (Pianist, Dirigent), wegen seines Engagements im Nahost-Konflikt.

Manuel Brug, Die Welt, Berlin
- Instrumentalist/in: Geige: Frank-Peter Zimmermann; Klavier: Piotr Anderszewski; Cello: Alban Gerhardt.
- Dirigent/in: René Jacobs.
- Sänger/in: Simon Keenlyside, Anna Catharina Antonacci.
- Kammeremsemble: Artemis-Quartett.
- Komponist/in: Beat Furrer.
- Nachwuchs: Gautier Capucon, Gustavo Dudamel, Pavol Breslik.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Mariss Jansons.

Arnt Cobbers, Partituren, Berlin
- Instrumentalist/in: Gidon Kremer, Pierre-Laurent Aimard.
- Dirigent/in: Mariss Jansons (im Schostakowitsch-Jahr dann doch vor Simon Rattle), für die Alte Musik René Jacobs.
- Sänger/in: Christine Schäfer und Christian Gerhaher.
- Kammerensemble: Artemis-Quartett.
- Komponist/in: Maria Schneider (New York).
- Nachwuchs: Geige: Daniel Hope, Klavier: Michael Korstick (beide etabliert, aber mit noch viel Potenzial).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Mariss Jansons.

Peter Cossé, Salzburg
- Instrumentalist/in: Geiger: Thomas Zehetmair, Pianist: Grigory Sokolov.
- Dirigent/in: Daniel Barenboim.
- Sänger/in: Rolando Villazón.
- Kammerensemble: Hagen Quartett.
- Komponist/in: Olga Neuwirth.
- Nachwuchs: der Pianist Henri Sigfridsson.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Alexander Lonquich.

Attila Csampai, Bayerischer Rundfunk, München
- Instrumentalist/in: Michael Korstick.
- Dirigent/in: Paavo Järvi (für seine Vielseitigkeit), René Jacobs (für seine Radikalität).
- Sänger/in: Maria Callas (1923-1977). Sie lebt durch ihre Schallplatten.
- Statt eines Kammerensembles: Freiburger Barockorchester.
- Komponist/in: Wolfgang Amadeus Mozart.
- Nachwuchs: Geiger - Alexander Gilman, Pianist/in - Ben Kim, Spencer Myer, Irma Issakadse.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Michael Korstick und der flämische Radikal-Historist Jos van Immerseel.

Anke Demirsoy, Westfälische Rundschau
- Instrumentalist/in: am interessantesten Hilary Hahn (Violine), am wichtigsten Alfred Brendel (Klavier).
- Dirigent/in: am interessantesten Mariss Jansons, am wichtigsten Daniel Barenboim (wegen seiner aufrechten und engagierten Haltung in Fragen der Politik).
- Sänger/in: Juan Diego Flórez.
- Kammerensemble: Das ensemble intercontemporain und das Arditti Streichquartett (weil sie vielen Komponistinnen und Komponisten unserer Tage hoch engagierte und kompetente Anwälte sind).
- Komponist/in: Jörg Widmann.
- Nachwuchs: Daniel Harding.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Frank Peter Zimmermann (Violine), weil er als Interpret von großer Ernsthaftigkeit und Freiheit durchgedrungen ist, ohne sein bescheidenes Auftreten zu verlieren.

Stefan M. Dettlinger, Mannheimer Morgen
- Instrumentalist/in: Die Geigerin Julia Fischer, weil sie Jugend und Reife verbindet, und der Pianist Markus Groh, weil er immer tiefer bohrt.
- Dirigent/in: Christian Thielemann, weil er eine verloren geglaubte Klangkultur wieder zur Diskussion stellt.
- Sänger/in: Anna Netrebko, weil sie die authentischste und modernste Bühnensängerin ist, und Bo Skovhus, weil er den irrsinnigsten "Schwanengesang" singt.
- Kammerensemble: das Artemis-Quartett, weil es jugendlichen Forscherdrang mit hoher Spielkultur verbindet.
- Komponist/in: Enno Poppe, weil er klangliche Erfindungen in ein zeitlich gut organisiertes Raster gießen kann, und Olga Neuwirth, weil sie eine ungeheure klangliche Erfindungsgabe hat.
- Nachwuchs: Die Mannheimer Sopranistin Cornelia Ptassek, weil sie alle Eigenschaften mitbringt, die auch Anna Netrebko auszeichnen.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Pierre Boulez, weil er nicht nachlässt.

Gregor Dolak, Focus, München
- Instrumentalist/in: Cellist Truls Mörk, spielt die schönsten Cellosuiten von Bach. Pianist Maurizio Pollini: Chopin und Mozart kann keiner so beredt spielen wie er.
- Dirigent/in: Daniel Barenboim, der vielseitigste Macher in diesem Metier. Besonders seine politische Arbeit mit dem "West Eastern Divan Orchestra" imponiert mir. Gustavo Dudamel, halte ich für einen der vielversprechendsten Nachwuchs-Dirigenten.
- Sänger/in: Christine Schäfer, hat einen tollen Cherubino in Salzburg gesungen. Finde ich aber vor allem wegen ihrer stilistischen Vielseitigkeit beeindruckend - egal ob sie Schubert-Lieder singt oder auch mal jazzig swingt.
- Kammerensembles: Kann mich nicht recht zwischen Artemis und Henschel-Quartett entscheiden. Spielen beide das klassische Repertoire sehr aufschlussreich, aber hin und wieder mal auch abgelegenere Komponisten.
- Komponist/in: Ruedi Häusermann, weil er mit der richtigen Missachtung aus verwegenem Abenteurertum und heiligem Unernst an die Sache herangeht. Ansonsten kann ich mich immer weniger für Zeitgenössisches erwärmen.

Gerald Felber, DeutschlandRadio Kultur, Berlin
- Instrumentalist/in: Gidon Kremer, Alfred Brendel, Pierre-Laurent Aimard, Mstislaw Rostropowitsch.
- Dirigent/in: Harnoncourt / Thielemann / Herreweghe
- Sänger/in: Bartoli / Kozena / Kasarova.
- Kammerensemble: Von den älteren Formationen, die entweder verschwunden oder in Auflösung sind, hat das Juilliard-Quartett die Weltszene bestimmt am nachhaltigsten geprägt. Solch ein Galions-Ensemble wird es kaum mehr geben, aber eine Menge guter jüngerer - zum Beispiel allein in unserem "Nahraum" das Leipziger, Petersen- und Vogler-Quartett, und die Welt ist ja noch beträchtlich größer...
- Komponist/in: Henze.
- Nachwuchs: Instrumentalisten: Hahn / Luisada; Sänger: Garanca; Kammermusik: Artemis-Quartett; Komponist: Adès.

Claus Fischer, Leipzig
- Instrumentalist/in: Geiger alte Musik Simon Standage, konventinell Thomas Zehetmair; Pianist Alfred Brendel, Cembalo: Gustav Leonhardt (Lebenswerk), Oboist: Heinz Holliger
- Dirigent/in: René Jacobs, konventionell: Riccardo Chailly.
- Sänger/in: konventionell Dietrich Fischer Dieskau, Alte Musik: Emma Kirkby.
- Kammerensemble: Amsterdamer Barockorchester.
- Komponist/in: Arvo Pärt.
- Nachwuchs: Ragna Schirmer (Klavier), Stephan Genz (Bariton), Christophe Rousset (Dirigent/Cembalo).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Dietrich Fischer-Dieskau.

Christiane Florin, Rheinischer Merkur, Bonn
- Instrumentalist/in: Daniel Hope (Geige), Lars Vogt (Piano).
- Dirigent/in: Nikolaus Harnoncourt.
- Sänger/in: Christine Schäfer, Nina Stemme.
- Kammerensemle: Chamber Orchestra of Europe.
- Nachwuchs: Cornelius Meister.

Remy Franck, Pizzicato, Luxemburg
- Instrumentalist/in: Pierre-Laurent Aimard. Er ist innovativ, vielseitig, ehrlich und musikalisch hoch interessant. Beeindruckend ist sein Einsatz für die zeitgenössische Musik und die Art, wie er versucht, sie einem breiten Publikum zu erschließen.
- Dirigent/in: Michael Tilson Thomas, wegen seiner herrlichen Mahler-Interpretationen und seines unermüdlichen Einsatzes für eine zeitgemäße und bereichernde Einführung in die Musik mit seinem Multimedia-Projekt "Keeping Score".
- Sänger/in: Juan Diego Flórez, der mit Abstand beste Tenor unserer Zeit, dient einem ästhetischen Ideal, das keineswegs das Ideal unserer Epoche ist, die eher den Schreihälsen huldigt.
- Kammerensemble: Das Mandelring-Quartett setzt neue Maßstäbe im Quartettspiel und bietet auf höchstem Niveau Kammermusik in ihren packendsten Form.
- Komponist/in: George Benjamin. Abseits von rein intellektualistischer Musik ist George Benjamin ein Komponist, der für die Klanglichkeit schreibt, ohne trivial zu werden.
- Nachwuchs: Julia Fischer. Eine hinreißende Musikerin und eine starke Persönlichkeit, die ihre eigene Begeisterung über die Musik hundertprozentig ins Publikum projiziert.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Die drei Terfels! Es gibt keinen anderen Sänger, der so überzeugend sowohl im dramatischen Fach als auch in Buffo-Opern und im Musical singt. Im Konzert ist er unwiderstehlich, und bei seinen CDs wartet man eigentlich immer darauf, dass er aus einem der Lautsprecher ins Wohnzimmer steigt.

Werner Fritsch, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, Kassel
Hier meine Antworten auf Ihre Umfrage. Sie fallen mir übrigens weitaus schwerer, als ich mir das zunächst vorgestellt habe.
- Instrumentalist/in: Bei den Pianisten ist für mich immer noch Martha Argerich als Musikerpersönlichkeit das Maß aller Dinge. Was nicht heißt, dass es nicht einzelne sensationelle Erfahrungen mit anderen Pianisten gibt. Bei den Geigern ist es vom Potenzial her Anne-Sophie Mutter, doch leider ist sie nicht immer stilsicher und glücklich in der Auswahl ihrer musikalischen Partner. Bei den Bläsern ist die überragende Figur seit vielen Jahren der Oboist Heinz Holliger - oder zählt er gar nicht mehr als Bläser, sondern nurmehr als Komponist und Dirigent?
- Dirigent/in: Der universellste und zeitgemäßeste Dirigent ist für mich Sir Simon Rattle. In der Alten Musik steht für mich Thomas Hengelbrock an erster Stelle, in der zeitgenössischen Musik Arturo Tamayo.
- Sänger/in: Christine Schäfer
- Kammerensemble: Ensemble Modern
- Komponist/in: Es kann den einen Komponisten, die eine Komponistin, von dem oder der die wichtigsten Impulse ausgehen, vermutlich nicht mehr geben.
- Nachwuchs: Leider haben viele junge Stars in den vergangenen Jahren nicht das gehalten, was man sich anfangs von ihnen versprach. Für interessant halte ich derzeit die Geigerin Julia Fischer, die Flötistin Magali Mosnier und die beiden chinesischen Pianisten Yundi Li und Lang Lang (in dieser Reihenfolge).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Im Mozartjahr so zu fragen, ist unfair. Hier müsste ein Komponisten-Name stehen, doch da ich die Komponisten-Frage nicht beantworten kann, muss ich auch hier die Antwort schuldig bleiben. Eine Persönlichkeit, an der sich die klassische Musik derzeit aufrichten kann, ist aber sicherlich Sir Simon Rattle.

Wolfgang Fuhrmann, Berliner Zeitung
- Instrumentalist/in: Superlative vergebe ich äußerst ungern, und an Pianisten fielen mir gleich ein halbes Dutzend faszinierende Gestalten ein: Aimard, Barto, Lang Lang (jawohl!), Lugansky, sogar eine so irre Figur wie Pogorelich - aber ein Pianist, der den Nerv der Musik immer trifft, ohne sich je in den Vordergrund zu spielen, ist Evgeny Kissin.
- Dirigent/in: Franz Welser-Möst und David Zinman für ihre gleichermaßen analytische und leidenschaftliche Intelligenz, Mariss Jansons für seine unglaubliche Fähigkeit, ein Orchester von innen heraus zum Leuchten zu bringen - und Nikolaus Harnoncourt, der in glücklichen Momenten beides zum Einsatz bringt.
- Sänger/in: Christine Schäfer - und sei es auch nur, weil sie mit ihrer provokanten Interpretation der "Winterreise" der gegenwärtig grassierenden "Diven singen Arienhäppchen"-Verblödung etwas entgegengesetzt hat. Ansonsten gibt es viele schöne Stimmen, aber wenig interessante Persönlichkeiten.
- Kammerensemble: Das Artemis-Quartett und das Hagen-Quartett.
- Komponist/in: John Adams, Erkki-Sven Tüür - und Joseph Haydn.
- Nachwuchs: Der Dirigent Gustavo Dudamel, die Pianistin Lise de la Salle und der Pianist und Komponist Francesco Tristano Schlimé.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Noch einmal: Nikolaus Harnoncourt für seine ungeheure Neugierde, Sturheit und Phantasie und Pierre-Laurent Aimard für seine kaum auslotbare musikalische Intelligenz und Virtuosität.

Wolfram Goertz, Rheinische Post, Düsseldorf
- Instrumentalist/in: Marc-André Hamelin (Klavier).
- Dirigent/in: Paavo Järvi.
- Sänger/in: Christian Gerhaher.
- Kammerensemble: Ensemble Anima Eterna.
- Komponist/in: Rebecca Saunders.
- Nachwuchs: Julia Fischer (Violine).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Der japanische Dirigent, Cembalist und Organist Masaaki Suzuki.

Karl Dietrich Gräwe, Berlin
- Instrumentalist/in: Pierre-Laurent Aimard, Frank Peter Zimmermann, Hilary Hahn, Albrecht Mayer.
- Dirigent/in: Marin Alsop, Esa-Pekka Salonen.
- Sänger/in: Elina Garanca; Juan Diego Flórez, Simon Keenlyside.
- Kammerensemble: La Venexiana, Fauré-Quartett und nach wie vor: Emerson String Quartet.
- Komponist/in: Osvaldo Golijov.
- Nachwuchs: Sol Gabetta (Cello).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Esa-Pekka Salonen und der pädagogisch und initiativ unermüdliche Walter Levin, ehemaliger Primarius des LaSalle-Quartetts.

Frederik Hanssen, Der Tagesspiegel, Berlin
- Instrumentalist/in: Daniel Barenboim als Pianist: Wer wagt heute noch solche skrupellos subjektiven Interprationen? Er meint Bach und Beethoven - und spielt doch immer Barenboim.
- Dirigent/in: Simon Rattle: Weil er in seiner Generation der einzige Dirigent des 21. Jahrhunderts ist.
- Sänger/in: Thomas Quasthoff gibt die ästhetische Richtung für eine ganze Sängergeneration vor - als zweiter Fischer-Dieskau.
- Kammermusikensemble: Die Berliner Philharmoniker: Größe ist nicht entscheidend, wenn es um die Tugend des Aufeinander-Hörens geht.
- Komponist: Thomas Adès: Keiner weiß, wie man seinen Namen nun genau ausspricht - doch, whow, der Mann komponiert Musik, die anspricht.
- Nachwuchs: Christian Thielemann, denn er ist wie ein edler Bordeaux. Man kann ihn auch jetzt schon genießen - doch welche Reife wird er erst in 20 Jahren haben!

Klemens Hippel, Partituren, München
- Instrumentalist/in: Die interessanteste und wichtigste Persönlichkeit ist Daniel Barenboim - schade, dass er sein ungeheures pianistisches Potenzial nicht (mehr) ausschöpft. Nachwuchs: Julia Fischer hat das Zeug dazu, einmal zu den großen Geigern zu gehören.
- Dirigent/in: Emmanuelle Haim, weil sie es wie kaum jemand anders versteht, Musiker zum Besten zu inspirieren, was sie können. Nachwuchs: Emmanuelle Haim - ich glaube nicht, dass ein vergleichbares Talent bald nachwächst.
- Sänger/in: Rolando Villazón - eine seltene Verbindung zwischen exzellentem Sänger, Showtalent und Persönlichkeit.
- Kammerensemble: Das Artemis-Ensemble - nirgendwo sonst entstehen so spannende Interpretationen aus der Zusammenarbeit so unterschiedlicher Musiker-Typen. Nachwuchs: Das Artemis-Ensemble - ich kann mir nicht vorstellen, dass in den nächsten 10 Jahren jemand das übertreffen kann.
- Komponist/in: Die sind leider alle schon tot...
- Nachwuchs: Daniel Hope, wenn es ihm auch langfristig gelingt, als Kammermusiker Solist und Botschafter von Musik zu den allerbesten zu zählen.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: René Jacobs, weil er seit so vielen Jahren ohne jeden Ausreißer nach unten auf höchstem Niveau arbeitet.

Christiane Irrgang, NDR Kultur, Hamburg
- Instrumentalist/in: Meist eher diejenigen, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen, also Geiger wie Kolja Blacher, Frank Peter Zimmermann oder Leonidas Kavakos - wegen ihrer absoluten Ernsthaftigkeit (das meint nicht Humorlosigkeit!) und Kompromisslosigkeit. Für unverzichtbar, wenn die klassische Musik im Konzertsaal eine Zukunft haben soll, halte ich Musiker, die nicht nur grandios spielen, sondern ebenso gut Musik (z.B. verbal) vermitteln können, wie den Pianisten Pierre-Laurent Aimard, und die sich in der Jugendarbeit engagieren, wie die Geigerin Midori und all die Teilnehmer von "Rhapsody in School" o.ä. Projekten.
- Dirigent/in: Dirigenten eigenen sich besonders als "Botschafter der Musik"; das gilt z.B. für Daniel Barenboim, von dem wichtige Impulse für die Völkerverständigung ausgehen. Unter dem Aspekt "vielversprechend" würde ich auf jeden Fall auch den jungen Gustavo Dudamel und seinen Einsatz für die venezolanische Jugendorchester-Bewegung dazu zählen.
Ein Dirigent, der auf ähnliche Weise künstlerisch wegweisend und innovativ wäre wie etwa Harnoncourt gegen Ende der Ära Karajan, fällt mir nicht ein.
- Sänger/in: Weder wegweisend noch eigentlich innovativ (denn jeder der ihr nacheifern würde, könnte eigentlich nur ein Abklatsch sein), aber nach wie vor unvergleichlich charismatisch und ein Phänomen: Cecilia Bartoli (die man unbedingt beim Hören auch SEHEN sollte). Sie ist fast so erfolgreich wie einige Popstars, ohne sich dabei aber als Klassik-Popstar anzubiedern (wie z.B. Lang Lang) oder auf das oberflächlich erfolgversprechende Crossover-Pferd zu setzen.
- Kammerensemble: Wenn es um "wegweisend" und "innovativ" geht, vielleicht Gruppen wie Kristjan Järvis "Absolute Ensemble" - Musiker, die virtuos zwischen Stilen und Gattungen pendeln.
- Komponist/in: Das wage ich nun wirklich überhaupt nicht zu beurteilen, weil ich mich zum einen viel zu wenig auskenne und zum anderen gerade bei den Komponisten immer wieder an das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" erinnert werde ("Mama, er hat ja gar nichts an!"). Aber langfristig eine Rolle spielen werden meines Erachtens alle (und nur) diejenigen, die nicht nur meinen Intellekt, sondern auch und vor allem mein Gefühl ansprechen, die mir als Hörer eine Orientierung bieten, die keine Angst vor Melodien und anderen wiedererkennbaren Elementen haben, die mit dem konventionellen Instrumentarium (und unter Verzicht auf Hubschrauber und andere Accessoires) arbeiten, die vielleicht sogar hörbare nationale Eigenheiten haben. Als Beispiel fällt mir der Japaner Toshio Hosokawa ein.
- Wem trauen Sie derzeit am ehesten zu, dass Sie ihren/seinen Namen in 10 oder 15 Jahren in der jeweiligen Rubrik nennen würden? Das finde ich gerade unter Ihrer Fragestellung unmöglich zu beantworten. Ich habe etliche junge Leute spielen hören, von denen ich mir gut vorstellen kann, dass sie in zehn oder 15 Jahren zu den namhaften Musikern gehören, aber ob sie deswegen auch besonders wegweisend, innovativ oder spannend sind?! In der Regel zeichnet sich derlei ja bei Jugendlichen noch nicht ab - die wollen erst einmal oben ankommen, ehe sie ggf. neue Wege einschlagen.
- Und die übergeordnete Frage: Welche Musikerin/welcher Musiker beeindruckt Sie derzeit am meisten? Wer soll denn so etwas wirklich aus Überzeugung beantworten?! Er oder sie könnte einem ja fast schon Leid tun..

Frank Kallensee, Märkische Allgemeine, Potsdam
- Instrumentalist/in: Julia Fischer und Andreas Staier.
- Dirigent/in: Kirill Petrenko und René Jacobs
- Sänger/in: Angelika Kirchschlager und Marie-Nicole Lemieux.
- Kammerensemble: Rias-Kammerchor Berlin.
- Komponist/in: Olga Neuwirth und aus alter Verehrung Georg Katzer.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Immer noch und wieder: Nikolaus Harnoncourt.

Boris Kehrmann, Berlin
- Instrumentalist/in: Mitzi Meyerson (Cembalo/Hammerklavier). Verblüffende, immer logische Interpretationsideen. Läuft keiner Mode hinterher. Absolut unverwechselbar. Es macht Spaß und ist immer anregend, ihr zuzuhören.
- Dirigent/in: Philippe Jordan. Kann mit Farben zaubern. Entdeckt in den Partituren Dinge, die drin stehen, die man aber trotzdem nie bemerkt hat. Versteht es, klingende Musik "zum Sprechen" zu bringen.
- Sänger/in: José Cura interessiert mich z.Zt. am meisten. Mehr innovative Impulse (Rossini-Renaissance) gehen zweifellos von Juan Diego Flórez aus. Noch mehr Impulse auf den Rossini-Gesang (Koloratur als Klangrede) könnten von Ewa Podles ausgehen, wenn sie mehr mit Rossini in Erscheinung treten würde.
- Kammerensemble: Kammerchor Accentus, Paris (Ltg.: Laurence Equilbey). Innovativ in Interpretation, Repertoire, Management, Vernetzung. Das Ensemble ist Gründer des absolut neuartigen Kammerchor-Netzwerkes TENSO: ein Modell für die Zukunft.
- Komponist/in: Peter Ablinger. Nimmt in einer akustisch und emotional zugemüllten Welt die Verantwortung, die mit dem Schaffen von Klängen und Emotionen verbunden sind, ernst. Stellt das Schreiben von Musik immer wieder in Frage.
- Nachwuchs: Instrumentalist: Toros Can (Klavier; eigenwilliges Repertoire, interpretatorischer Ernst), Paavali Jumppanen (Klavier; verblüffende Interpretationsideen; wird z.Zt. von Pierre Boulez gefördert); Dirigent: Philippe Jordan. Er wird mit dem Umfang seines Repertoires wachsen; Sänger/in: Zur Zeit keiner; Kammerensemble: Von den Jungen fasziniert mich z.Zt. das percusemble berlin am meisten. Sie strahlen Kraft und Konzentration aus; Komponist: Christian Jost. Ich bin gespannt, wie und wohin er sich entwickelt.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Mitzi Meyerson

Bernd Klempnow, Sächsische Zeitung, Dresden
- Instrumentalist/in: Julia Fischer, kluge, lebensnahe Frau, die sich der Musik widmet und weniger dem Markt, wie es andere tun.
- Dirigent/in: Oper: Fabio Luisi - kann phänomenal das Wunder Oper zusammenhalten und außergewöhnlich Neues durchklingen lassen; Konzert: Simone Young - Powerfrau.
- Sänger/in: Thomas Quasthoff - absolut integer, klug und erstaunlich in seiner Art, mit Musik und seiner schönen Stimme Lebensmut und -freude zu vermitteln.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Thomas Quasthoff.

Fridemann Leipold, Bayerischer Rundfunk, München
Trotz intensiven Brütens und Abwägens (was mehr Zeit beanspruchte, als ich eigentlich habe ...) fällt es mir ungeheuer schwer, mich auf e i n e Musikerpersönlichkeit festzulegen - ja es ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit für mich. Es ist ja eigentlich erschütternd, dass einem kein/e KandidatIn einfällt, die man über alle anderen stellen würde ...
Ein paar Namen will ich Ihnen trotzdem nennen, die ich für hochinteressante, hellwache Künstler halte: den Geiger Christian Tetzlaff, die Dirigenten Esa-Pekka Salonen und Kent Nagano, die Sängerinnen Elina Garanca, Diana Damrau und Nina Stemme, den Liedsänger Christian Gerhaher, den Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann sowie das Artemis Quartett.
Da ich hier beim BR die Kammermusik und unsere "Junge Philharmonie" betreue, will ich Ihnen noch zwei Nachwuchs-Ensembles nennen, denen man fraglos eine große Zukunft prophezeien kann: das Quatuor Ébène und das Jerusalem String Quartet.

Nike Luber, Karlsruhe
Oh, Qual der Wahl.... Gut, unter den Pianisten halte ich derzeit Olli Mustonen für einen der interessantesten Interpreten, weil er immer einen ganz eigenen, persönlichen, nicht "ausgetretenen" Zugang zu den Stücken sucht.
- Dirigent/in: Gibt es wie Sand am Meer. Soll ich jetzt Thielemann nennen, weil er bei Wagner ausgesprochen erhellende, mitreißende Momente hat? Oder Gielen, der so kühl analysiert, dass die Musik an trockenen Wein erinnert? Die Jung-Dirigenten sind mir noch nicht ausgereift genug, um einen individuell geprägten, unverwechselbaren Stil erkennen zu lassen.
- Die Musikerpersönlichkeit unter den Sängern? Hier geht es nicht nur um Volumen und Wohlklang.... Matthias Goerne hat mir einmal an einem heißen Tag im Mai eine "Winterreise" beschert, bei der ich Gänsehaut bekam, und das hatte nichts mit Timbre oder Technik zu tun.
- Kammerensemble: gar keine Frage: das Artemis-Quartett !!!!! Die sind einfach in jeder Hinsicht herausragend gut.
- Komponist/in: gegenwärtig Wolfgang Rihm, ein Komponist, der nicht nur Musik schreiben, sondern auch darüber - und über andere Themen! - intelligent und interessant reden kann. Nebenbei prägt er eine ganze Generation von Jungkomponisten, obwohl oder weil er ihnen völlige Freiheit lässt.
- Nachwuchs: Ach du liebe Zeit, wie viele sind schon wieder in der Versenkung verschwunden, obwohl ihr Name in den Lexika wie dem Harenberg steht... Wie sagte Hermann Prey: Es reicht nicht aus, nur gut zu sein. Ich gebe da keine Wette ab :-)

Kai Lührs-Kaiser, Berlin
- Instrumentalist/in: Hilary Hahn: Süffig im Ton, bockig in der musikalischen Finesse. Pierre-Laurent Aimard: Seine "Vingts Regards" von Messiaen sind meine Klavierplatte des Jahrzehnts. Was er gut kann, kann er besser als alle anderen.
- Dirigent/in: Mariss Jansons: Der Darling unter den Dirigenten hat sich, trotz Spätzündung, seinen Rang durch Bescheidenheit, technisches Können und musikalisches Genie zurecht gesichert. Hoch soll er leben!
- Sänger/in: Thomas Quasthoff: Ein in der persönlichen Äußerung aufdringlich von sich überzeugter, musikalisch manchmal anfechtbarer Sänger. Aber fast der einzige, für den ich längere Reisen unternehmen würde.
- Kammerensemble: Das Mahler Chamber Orchestra.
- Komponist/in: Jeder, der bei Adornos Musik-Metaphysik mit den Achseln zuckt. Von mir aus: Steve Reich und John Adams.
- Nachwuchs: Lars Vogt: Kein Jungspund, aber dank topsolider Basis, messerscharf definiertem Repertoire und zähem Tiefsinn ein geborener Altmeister.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Als Live-Künstler: Piotr Anderszewski und Claudio Abbado.

Joachim Mischke, Hamburger Abendblatt
- Instrumentalist/in: Krystian Zimerman. Als Interpret mustergültig, als Künstler kompromisslos - für die üblichen halben Sachen der Branche ist sich dieser Ausnahmepianist nach wie vor zu schade. Das ehrt ungemein.
- Dirigent/in: Esa-Pekka Salonen. Ein vielseitiger Dirigent und ein glänzender Kommunikator, der mit dem LA Phil in der Walt Disney Concert Hall vormacht, wie clever man klassische Musik heutzutage vermitteln kann, ohne sie oder sich dabei unter Wert zu verkaufen.
- Sänger/in: René Pape. Wo er singt, ist oben. Pape ist mehr als nur ein Sänger, er ist ein Stimmereignis.
- Kammerensemble: Mahler Chamber Orchestra. Zwischen programmatischer Vielseitigkeit und stilistischer Beliebigkeit ist oft nur schwer zu unterscheiden. Das MCO schafft diese Gratwanderung immer wieder gekonnt.
- Komponist/in: Jörg Widmann. Ich kenne nicht alles von ihm, aber das, was ich gehört habe, war immer beeindruckend individuell, auf der Suche und frisch.
- Rising Star: Andrey Boreyko. Der Russe ist derzeit Chefdirigent bei den Hamburger Symphonikern und beeindruckt nicht nur als Pult-Charismatiker, sondern auch als einfallsreicher Programm-Dramaturg. Auf die nächsten Karriere-Stationen im In- oder Ausland bin ich sehr gespannt.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Nikolaus Harnoncourt. Wer in seinem Alter noch so ungebremst neugierig ist auf neue Herausforderungen, verdient höchsten Respekt. Und sein Salzburger "Figaro" war zum Hinknien schön.
Ich bin gespannt auf die anderen Antworten.

Stephan Mösch, Berlin, Opernwelt
- Instrumentalist/in: der Geiger Nikolaj Znaider, Oistrachs Ton, eigenes Temperament.
- Dirigent/in: Michael Gielen, besonders für seinen Schönberg Zyklus.
- Sänger/in: Christine Schäfer, fit vom Barock bis zur Moderne.
- Kammerensemble: Petersen-Quartett, klar und sinnlich, nicht nur bei Boris Blacher.
- Komponist/in: Beat Furrer, das heilsame Chaos.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Antonio Vivaldi, der produktivste Opernkomponist unserer Zeit.

Teresa Pieschacon Raphael, München
- Instrumentalist/in: Klavier: Mikhail Pletnev; Geige: Christian Tetzlaff, Guiliano Carmignola (Alte Musik); Cello: Heinrich Schiff.
- Dirigent/in: Nikolaus Harnoncourt, Rinaldo Alessandrini, Simone Young.
- Sänger/in: Sara Mingardo, Rolando Villazón, Dietrich Henschel.
- Kammerensemble: nach wie vor: Alban Berg Quartett.
- Komponist/in: Ich halte es mit Max Reger: "Bach ist Anfang und Ende der Musik". Dennoch: wichtiger zeitgenössischer Komponist: Mark-Anthony Turnage.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Als Musiker und als Mensch: Nikolaus Harnoncourt.

Max Nyffeler, München
- Instrumentalist/in: Christian Tetzlaff.
- Dirigent/in: Peter Hirsch.
- Sänger/in: Thomas Quasthoff.
- Kammerensemble: Das Polnische-Deutsche Jugendensemble für neue Musik (eine Initiative des Deutschen Musikrats und des Festivals Warschauer Herbst).
- Komponist/in: Klaus Huber.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Murray Perahia.

Michael Oehme, MDR Figaro, Halle
- Instrumentalist/in: András Schiff, Klavier; Tedi Papavrami, Violine; Peter Bruns, Violoncello.
- Dirigent/in: Mariss Jansons.
- Sänger/in: Christian Gerhaher, Bariton; Simone Kermes, Sopran.
- Nachwuchs: Quatour Ébène; Georg Zeppenfeld, Bass; Ulrike Schneider, Alt; Tomás Netopil, Dirigent.
- Kammerensemble: Petersen-Quartett.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Edita Gruberova.

Friedrich Pohl, Welt am Sonntag, Berlin
- Instrumentalist/in: Tzimon Barto.
- Dirigent/in: René Jacobs.
- Sänger/in: Thomas Quasthoff.
- Kammerensemble: Leipziger Streichquartett.
- Komponist/in: Wolfgang Rihm.
- Nachwuchs: Leila Josefowicz.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Claudio Abbado.

Frank Pommer, Die Rheinpfalz Ludwigshafen
- Instrumentalist/in: Hilary Hahn, weil es fast sprachlos macht, mit wie viel Ernsthaftigkeit und mit wie wenig Starallüren und Attitüde sie musiziert; Jewgenij Kissin, für dessen Klavierspiel exakt das gleiche gilt.
- Dirigent/in: Wenn es um das große romantische Repertoire geht: Christian Thielemann. Aber im Mozartjahr eben auch: Nikolaus Harnoncourt. Und wenn wir von interessant und spannend reden, darf natürlich Sir Roger Norrington und sein entschlackter, vibratofreier "Stuttgart Sound" nicht fehlen.
- Sänger/in: Nina Stemme, weil sie derzeit einfach die wundervollste Isolde ist. Und, bleiben wir bei Wagner: Peter Seiffert, weil er so herausragt aus allen Wagnertenören.
- Kammerensemble: Das Artemis-Quartett.
- Komponist/in: Weil seine Opern spielbar sind, weil sie beweisen, dass das Musiktheater nicht tot ist: Detlev Glanert.
- Nachwuchs: Instrumentalisten: der Pianist Martin Stadtfeld und die Geigerin Julia Fischer;
Dirigenten: Der junge Heidelberger Generalmusikdirektor Cornelius Meister; Sänger: Adrianne Pieczonka, Juan Diego Flórez; Kammermusikensembles: das Fauré-Quartett. Komponisten: Jörg Widmann.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Pierre Boulez: als Komponist, als Dirigent und als Mensch.

Thomas Rübenacker, Karlsruhe
- Instrumentalist/in: Der Pianist Boris Beresowskij, weil er perfekte Technik mit intelligenter Analyse und "Ahnenforschung" verbindet.
- Dirigent/in: Claudio Abbado, weil er nach überwundener Krankheit noch in der Lage ist, Spitzenensembles aus dem Boden zu stampfen und als Dirigent immer noch besser wird - weiser, ökonomischer.
Sänger/in: Der Bass-Bariton Jonathan Lemalu aus Neuseeland, der sich aus untersten Verhältnissen ganz nach oben gekämpft hat - ein bisschen so, als würde ein Sioux-Indianer Tristan an der Met singen.
- Kammerensemble: Die Gebrüder Capucon mit Nicholas Angelich am Klavier: Brahms war in Frankreich noch nie "in", aber die Klaviertrios von zwei Franzosen und einem halben könnten idiomatischer nicht sein.
- Komponist/in: Immer noch Wolfgang Rihm, weil er immer noch für Überraschungen gut ist, auch wenn er auf eine stattliche Anzahl Meisterwerke zurückblicken kann.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Christine Schäfer, die in Salzburg einen Cherubino hinlegen kann, dass es ihrer Bühnenpartnerin Anna Netrebko beinah den Atem verschlägt; und die andererseits offen für Neues ist, die Muse von Aribert Reimann und eine quasi "übergeschlechtliche" Winterreisende bei Schubert.
Ich hoffe, das leuchtet ein. Ich hätte auch fünf andere nennen können, deswegen gefielen mir die Fragen nicht: Es tummeln sich nämlich eine stattliche Zahl "derzeit Wichtigster" da draußen, finde ich. Aber nun gut, eine Wahl ist getroffen - das muss man im Leben ja ständig.

Johannes Saltzwedel, Der Spiegel, Hamburg
Eigentlich sind das unlösbare Aufgaben! Aber spielen wir mit:
- Instrumentalist/in: Klavier: Gleichrangig Michail Pletnev / Piotr Anderszewski. Pletnev, technisch überragend, lässt interpretatorisch stets aufhorchen; Anderszewski überzeugt mit wunderbar poetischer Anschlagnuancierung; Nachwuchs: Lise de la Salle / Herbert Schuch.
Geige: Julia Fischer; Nachwuchs: Carolin Widmann - innovativer UND musikalisch solider geht es eigentlich nicht.
- Dirigent/in: Gleichrangig Mariss Jansons als Allrounder, René Jacobs als Experte; Nachwuchs: Gute Talentchancen haben weiterhin die Finnen... aber Prognosen sind schwer.
- Sänger/in: (hier keine Nachwuchs-Nennungen, da die Vorhersage ganz unseriös wird) Sopran: Dawn Upshaw; Mezzo: Vesselina Kasarova / Angelika Kirchschlager; Alt: Sara Mingardo; Tenor: Rolando Villazón; Bass: René Pape; Counter: Andreas Scholl.
- Kammerensemble: Das Leipziger Streichquartett. In der momentan extremen Konkurrenz ragt es heraus, weil es überzeugend die Stilerkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte zu neuer Harmonie bündelt; Nachwuchs: Jerusalemer Streichquartett, Quatuor Ébène.
- Komponist/in: György Kurtág - aber Salvatore Sciarrino holt auf.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Am meisten beeindruckt mich noch immer der vorbildlich kompromisslose Klavierkünstler Grigori Sokolov, dem Musik das Wichtigste auf der Welt ist und PR total egal.

Helmut Schaarschmidt, Radio Bremen
- Instrumentalist/in: Albrecht Mayer.
- Dirigent/in: Daniel Harding.
- Sänger/in: Dorothee Mields.
- Kammerensemble: Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.
- Komponist/in: Violetta Dinescu.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Daniel Harding.

Sigfried Schibli, Basler Zeitung
- Instrumentalist/in: Patricia Kopatchinskaja, Geigerin.
- Dirigent/in: Marc Minkowski.
- Sänger/in: Dietrich Henschel.
- Kammerensemble: Ensemble recherche, Freiburg.
- Komponist/in: Mark-Anthony Turnage.
- Nachwuchs: Moritz Ernst, Pianist (Basel).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Magdalena Kozena.

Dieter David Scholz, Berlin
- Instrumentalist/in: Lang Lang.
- Dirigent/in: Riccardo Chailly.
- Sänger/in: Renée Fleming.
- Kammerensemble: Emerson String Quartet.
- Komponist/in: Christian Jost.
- Nachwuchs: Ich habe gerade eben als Juryvorsitzender des intern. Gesangs-wettbewerbs DEBUT 2006 eine junge türkische Sopranistin mit dem ersten Preis gekürt, die eine Sensation an Gesangstechnik, Virtuosität und Ausdruck (canto espressivo) ist. Ich habe so eine perfekte Lucia di Lammermoor (und ich habe viele gehört) noch nicht live gehört. Sie wird sicher ganz groß werden! Ihr Name: Burcu Uyar.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Alberto Zedda.

Jesko Schulze-Reimpell, Donaukurier, Ingolstadt
- Instrumentalist/in: Unter den Pianisten: Grigory Sokolov wird nicht nur weithin unterschätzt, er ist auch der derzeit tiefsinnigste unter seinen Kollegen. Unter den Geigern ist immer noch Gidon Kremer der spannendste, kühnste und innovativste.
- Dirigent/in: Nikolaus Harnoncourt. Kein anderer Dirigent (außer Karajan) hat einen derartigen Einfluss auf das Musikverständnis der vergangenen 50 Jahre. Vieles (wie z. B. das historische Musizieren auf modernen Instrumenten) ist ohne sein Engagement überhaupt nicht denkbar.
- Kammerensemble: Das Artemis-Quartett.
- Komponist/in: Nachdem Ligeti tot ist wohl Krysztof Penderecki und Arvo Pärt.
- Nachwuchs: Markus Poschner (36), Kapellmeister an der Komischen Oper, bis vor kurzem Leiter des Georgischen Kammerorchesters.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Noch einmal: Nikolaus Harnoncourt.

Uwe Schweikert, Stuttgart
- Instrumentalist/in: Klavier: Pierre-Laurent Aimard, Violine: Thomas Zehetmair.
- Dirigent/in: Unter den Dirigenten immer noch: Michael Gielen.
- Sänger/in: Magdalena Kozena, Christian Gerhaher.
- Kammerensemble: Ensemble Recherche.
- Komponist/in: Adriana Hölzsky und Salvatore Sciarrino.
- Nachwuchs: Till Fellner, Klavier - Julia Fischer, Violine - Cornelius Meister - die Sängerin Maité Beaumont.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Der englische Barockgeiger Andrew Manze beeindruckt mich am meisten.
 
Markus Schwering, Kölner Stadtanzeiger
- Instrumentalist/in: Leif Ove Andsness (Klavier), Janine Jansen (Violine).
- Dirigent/in: Thomas Hengelbrock, Jukka-Pekka Saraste.
- Sänger/in: Christine Schäfer (Sopran), Thomas Quasthoff (Bariton).
- Kammerensemble: Artemis-Quartett.
- Komponist/in: Matthias Pintscher.

Carlos Maria Solare, Berlin
- Instrumentalist/in: Tabea Zimmermann (Viola). In ihrem Spiel geht der technische Aspekt vollkommen in Musik auf. Sowohl durch die Beauftragung neuer Werke als auch mit ihrer Interpretation der Klassiker bereichert sie unsere musikalische Welt.
- Dirigent/in: Christian Thielemann. Ein "Kapellmeister" im besten, ursprünglichen Sinne des Wortes, der sein Metier von der Pike auf gelernt hat und entsprechend sattelfest ist. Der beste jetzt aktive Dirigent für das deutsche Kernrepertoire, das in dieser Zeit des sog. "Neuen Patriotismus" sicherlich auch wieder geschätzt werden darf.
- Sänger/in: Plácido Domingo. Zwar hat er es wirklich nicht nötig, von mir gelobt zu werden, aber der schiere Fleiß, mit dem Domingo in - für einen Tenor - ziemlich vorgerückter Alter immer noch neue Rollen in immer neuen Stilrichtungen lernt, ist einfach imponierend.
An dieser Stelle möchte ich der im vergangenen Juli verstorbenen Mezzosopranistin Lorraine Hunt Lieberson gedenken. Die Aufführungen, die ich in den letzten Jahren ihres kurzen Lebens von ihr hören durfte, sind unvergessliche Erinnerungen für die unglaubliche Ausdruckskraft Ihrer warm timbrierten Stimme.
- Kammerensemble: Spectrum Concerts. Eine in Berlin angesiedelte Konzertreihe, deren Leiter Frank Dodge zusammen mit seinem angestammten Ensemble für ausgefallene Programmgestaltung sorgt und eine entschiedene Bereicherung der Berliner kammermusikalischen Landschaft darstellt.
- Komponist/in: Brett Dean. Eine der originellsten jüngeren Stimmen, die es nicht nötig hat, mit "Skandalen" auf sich aufmerksam zu machen, sondern in einer relativ mäßigen Tonsprache durch die souveräne Beherrschung des Materials beeindruckt.
- Nachwuchs: Antoine Tamestit (Viola) gehört fast schon in die erste Kategorie, zusammen mit seiner früheren Lehrerin Tabea Zimermann. Wie er Musik macht, ist einfach "richtig". So und nicht anders geht es, muss der Zuhörer denken. Julia-Maria Kretz (Violine) beeindruckt durch die Reife ihres Musizierens und die Seriosität, mit der sie ihre Karriere aufbaut. Sie hat es nicht eilig und wird um so weiter kommen.

Michael Stegemann, Dortmund
- Instrumentalist/in: Andreas Staier.
- Dirigent/in: Hier würde ich gerne historische / moderne Aufführungspraxis unterscheiden :
René Jacobs / Esa-Pekka Salonen.
- Sänger/in: Marco Beasley (Ensemble "Accordone" und Aufnahmen mit "L'Arpeggiata" für Alpha).
- Kammerensemble: Vincent Dumestre und "Le Poème harmonique" - wenn denn Ensembles für Alte Musik erlaubt sind...
- Komponist/in: Matthias Pintscher.
- Nachwuchs: Da muss ich leider passen; die meisten von der Industrie "ge-hypten" Jungstars halte ich eher für "Eintagsfliegen".
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Am meisten beeindruckt haben mich in der letzten Zeit die oben genannten Künstler. Gerne würde ich aber an dieser Stelle Gérard Mortier benennen, dessen konsequente Arbeit an der Pariser Opéra - gegen alle Widerstände des konservativen Publikums und der Presse - größten Respekt verdient.

Michael Stenger, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Essen
- Instrumentalist/in: der Pianist Grigory Sokolov und der Geiger Christian Tetzlaff.
- Dirigent/in: Kent Nagano.
- Sänger/in: Angelika Kirchschlager.
- Kammerensemble: Emerson String Quartet.
- Komponist/in: Hans Werner Henze.
- Nachwuchs:  der Pianist Martin Stadtfeld.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Christoph Eschenbach.

Christian Strehk, Kieler Nachrichten
- Instrumentalist/in: András Schiff.
- Dirigent/in: Nikolaus Harnoncourt.
- Sänger/in: Christine Schäfer.
- Kammerensemble: Lars Vogt and friends.
- Komponist/in: Jörg Widmann.
- Nachwuchs: Julia Fischer.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Martha Argerich.

Volker Tarnow, Berlin
- Instrumentalist/in: Gidon Kremer (Violine) und Ivo Pogorelich (Piano) - Mut zur radikal-subjektiven Expression; auch bei den ‚nachschaffenden' Künstlern setzt das Genie die Maßstäbe! Nachwuchs: Iveta Apkalna (Orgel).
- Dirigent/in: Simon Rattle (derzeit Berlin) - Aura plus Handwerk! Einzigartiger Klangsinn, phänomenale architektonische Gestaltungskraft; Überwinder klassischer Klassenschranken. Nachwuchs: Wladimir Jurowski.
- Sänger/in: Matthias Goerne (Bariton) - Meister des unmanierierten Sentiments, gleichermaßen natürliche wie artistische Stimmführung; Triumph des Liedes über die Oper. Nachwuchs: Annette Dasch.
- Kammerensembles: Rosamunde-Quartett (München) - Musterbeispiel spontanen, atmenden Musizierens; hübsche Geigen-Capricen von Andreas Reiner, traumhaft gepflegtes Cello von Anja Lechner. Nachwuchs: Kuss-Quartett.
- Komponist/in: Einojuhani Rautavaara (Finnland) - Licht und Geheimnis! Mystagoge des Regenbogens, Hüter des Feuers, das in uns allen brennt. Sein stärkster Konkurrent: Henri Dutilleux. Nachwuchs: Thomas Adès.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Gidon Kremer - nicht zuletzt als Inspirator bedeutender Gegenwartskompositionen.

Lotte Thaler, SWR2 (Redaktion Kammermusik)
- Instrumentalist/in: Andras Schiff.
- Dirigent/in: Simon Rattle.
- Sänger/in: Juan Diego Flórez.
- Kammerensemble: Arditti-Quartett.
- Komponist/in: Georg Friedrich Haas.
- Nachwuchs: Denys Prochayev, Johannes Moser, Julia Fischer.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Masaaki Suzuki.

Albrecht Thiemann, Berlin, Opernwelt
- Instrumentalist/in: der Pianist Alfred Brendel wegen der einzigartigen Verbindung von scharfsinnigem Intellekt und frei schwingender Poesie.
- Dirigent/in: Sir Simon Rattle wegen seiner immer frischen Impulse für die Modernisierung und Verjüngung des Klassikbetriebs.
- Sänger/in: die Sopranistin Catherine Naglestad, eine Sängerdarstellerin von unvergleichlicher Bühnenpräsenz.
- Kammerensemble: das Ensemble Modern wegen seiner unermüdlichen Pionierarbeit auf dem Feld der zeitgenössischen Musik.
- Komponist/in: Pascal Dusapin für eine hochexpressive Musik, in der (französische) Tradition, (klassische) Moderne und ferne Klangkulturen faszinierend zusammenschwingen.
- Nachwuchs: Dirigent Gustavo Dudamel, der bereits mit Mitte zwanzig Beethovens Fünfte zu durchleuchten vermag; Sängerin: Danielle de Niese, eine der großen Sopran-Hoffnungen der Barockszene; Komponistin Olga Neuwirth - sie führt exemplarisch vor, dass die Verknüpfung von Klassik, Avantgarde und Pop keineswegs in schalem Crossover versacken muss.

Götz Thieme, Stuttgarter Zeitung
- Instrumentalist/in: Technisch versierte Instrumentalisten gibt es genug, aus Asien strömen sie ohne Ende, lang-lang - wahre Musiker sind selten darunter. Einer der beeindruckendsten Pianisten unserer Tage, wegen seiner Ernsthaftigkeit, seiner klugen Programme, ist Grigori (oder Grigorij oder Grigory) Sokolow: ein stiller Star; eigentlich sollte es still um ihn bleiben, denn aus der Stille entstehen seine Aufführungen. Unter Geigern - und immer mehr unter Geigerinnen - scheint's, sind Musiker, die etwas zu sagen haben, häufiger anzutreffen: Frank Peter Zimmermann, Patricia Kopatchinskaja, Antje Weithaas, Arabella Steinbacher.
- Kammerensembles: All die, die sich der neuen Musik verschrieben haben: Die Neuen Vokalsolisten Stuttgart, das Ensemble Modern, das Arditti-Quartett, die Komponisten inspirieren, ihnen Werke zu schreiben. Und die, die zu den Bewahrern der Kunst des Streichquartettspiels gehören wie das Artemis-Quartett - wie lange aber noch wird es Menschen geben, die die Muße zum Hören von Kammermusik haben?
- Sänger/in: Christine Schäfer, aber Sänger tiefer Stimmlagen scheinen öfter etwas zu bieten zu haben, aus dem Bariton- und Bassfach fallen ein Bryn Terfel, Michael Volle, René Pape - Sänger, die wissen, was und wovon sie singen.
- Dirigent/in: O je, wo sind sie, die ganz Großen? Gleich danach kommen Nikolaus Harnoncourt und Mariss Jansons - und noch in den Startlöchern, aber mit großem Potenzial, Kirill Petrenko.
- Komponist/in: Helmut Lachenmann vor allem mit seiner revolutionären Wirkung; in seiner Generation hat er die musikalische Sprache entwickelt wie kein anderer. Satelliten, die man nicht missen mag, sind György Kurtág, Anton Plate, Heiner Goebbels.
- Nachwuchs: Wenn er nicht Drogen verfällt, mit der Theaterkasse durchbrennt oder sich umschulen lässt, dann wird man von Cornelius Meister, dem 26-jährigen Heidelberger GMD, auch in zehn, 15 Jahren hören.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Der Orchestermusiker, der nach etlichen Dienstjahren nicht die Lust an seinem Beruf verloren hat - zum Glück es gibt es ihn.

Thomas Voigt, Köln
- Instrumentalist/in: Michael Korstick (Pianist).
- Dirigent/in: Mariss Jansons.
- Sänger/in: Christian Gerhaher, Anja Silja.
- Kammerensemble: Artemis Quartett.
- Komponist/in: Matthias Pintscher.
- Nachwuchs: (-- da möchte ich mich nicht festlegen)
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Jörg Widmann.

Rainer Wagner, Hannoversche Allgemeine Zeitung
Schönen Dank für Ihre Anfrage und die Ehre an einem ziemlich unmöglichen Unternehmen mitzumachen. Das Ganze erinnert mich ein bisschen an eine Umfrage nach dem besten Wein, dem besten Essen und dem besten Sex - wer alles nur auf einen Nenner bringen kann, hat vielleicht zu wenig erlebt im Leben, oder? Trotzdem, Spiel ist Spiel, hier mein Versuch einer Annäherung:
- Instrumentalist/in: Pierre-Laurant Aimard und Alfred Brendel.
- Sänger/in: Christine Schäfer.
- Dirigent/in: Esa-Pekka Salonnen / Pierre Boulez.
- Kammerensemble : Nomos-Quartett
- Komponist/in: Wolfgang Rihm, John Adam, Kaja Saariaho.
- Nachwuchs: Cornelius Meister (Dirigent), Andris Nelsons (Dirigent).
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Sir Simon Rattle, weil er sich von der Quatsch-Diskussion um den typisch deutschen Sound der Berliner Philharmoniker nicht irritieren lässt, und Sir Colin Davis, weil er in Deutschland nach wie vor unterschätzt ist.

Michael Wersin, Augsburg
- Instrumentalist/in: Marc-André Hamelin.
- Dirigent/in: John Eliot Gardiner.
- Sänger/in: Carolyn Sampson.
- Nachwuchs: Daniel Müller-Schott.
Nicht in allen Sparten konnte ich mich zu einer Antwort durchringen, leider.

Andrea Zschunke, Radio Bremen
- Instrumentalist/in: Daniel Hope. Fazil Say.
- Dirigent/in: Simone Young.
- Sänger/in: Georg Nigel.
- Kammerensemble: Klangforum Wien.
- Komponist/in: John Adams.
- Nachwuchs: leider keine Idee.
- Beeindruckendste Musikerpersönlichkeit: Heinz Karl Gruber.


Einige weitere Stimmen:
Oswald Beaujean, Bayerischer Rundfunk, München
Seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich mich an der Umfrage nicht beteilige. Ich will ganz ehrlich sein: Mir fallen zu jeder Frage mindestens fünf und damit eben kein Name ein. Die Persönlichkeiten, die ich so weit nach oben stellen würde, sehe ich einfach nicht. Sorry.

Michael Gassmann, Köln
Ich hege eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Umfragen, weil sie eigentlich immer unzulässig verkürzen, selbst wenn man so sorgfältig fragt wie Sie.
Nehmen Sie mir's also nicht übel, aber ich möchte lieber nicht.

Eckhardt van den Hoogen, Köln
Allein, ich werde darauf keine Antworten haben bzw. geben können, da diese Ausfilterung auf je EINE Person pro Kategorie meiner Weltanschauung zutiefst entgegengesetzt ist - ob es sich dabei um die Sexiest Woman Alive oder den besten Beethoven-Dirigenten handelt: Meiner Ansicht nach gibt es DEN/DIE nicht.

Joachim Kaiser, München
Leider eigne ich mich für solche Kurz-Umfragen und Schnellschüsse sehr schlecht, nehme darum kaum je an dergleichen teil. Solche Sachen laufen doch auf eine Art Schlagfertigkeit-Olympiade heraus: Wer zieht sich am geschicktesten aus der Affäre. Und dafür bin ich zu alt.

Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, Wien
Ich bin einfach nicht imstande, Ihre Fragen zu beantworten. Es wäre ja traurig, wenn das so einfach ginge, zu jeder Kategorie eine Antwort zu finden. Carlos Kleiber ist tot. Und im übrigen gibt es eine Menge sehr guter Künstler, die ich nicht gegeneinander ausspielen würde. Was immer dabei herauskommt, es entsteht ein völlig irreales Bild. Selbst wenn es hieße: Petrenko, Garanca, Maisenberg, würde es nicht wirklich stimmen. Schon gar, Gott behüte, wenn wir bei der sicheren Liste mit den Namen Abbado, Netrebko, Lang Lang landen ...
Seien Sie mir nicht böse!

Die Umfrage finden Sie in Partituren Ausgabe Nr. 8, die am Freitag den 1. Dezember erscheint.

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Titel Ausgabe 7
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