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Das Magazin für klassische Musik
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Adolphe Adam: Giselle
Gehört und gelesen 07
Die 2005 in der Mailänder Scala aufgezeichnete Giselle kann nicht allzu weit von der Pariser Uraufführung anno 1841 entfernt sein. In diesem Handlungsballett par excellence, zu dem Adolphe Adam die zauberhafte, raffiniert instrumentierte Musik beisteuerte, verfällt die Titelheldin dem Wahnsinn, als ihr bewusst wird, dass ihre Liebe keine Aussicht auf Erfüllung findet. Svetlana Zakharova tanzt sich ausdrucksvoll erst in den Wahnsinn und dann in den Tod. In bläulichem Dunkel entfaltet sich der für viele spätere Handlungsballette so typische „weiße“ Akt. Unter Führung der strengen Myrtha (Marta Romagna) tanzt das Ballett der Scala perfekt abgezirkelte klassische Figuren, die aus der Totalen faszinierende geometrische Muster ergeben. Das Orchester musiziert idealtypisch.
NL
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Julian Anderson: Alhambra Fantasy
CD 07-02
Julian Anderson, Multikulti-Spezi der Postmoderne, ist in London geboren und derzeit Leiter der Kompositionsklassen von Harvard. Seine Musik feiert große Erfolge, denn sie tut nicht weh - Gestik und Klangästhetik sind der Tradition verpflichtet. Polyphonie dominiert, im Stück The crazed moon sogar Heterophonie, also die Parallelität unterschiedlicher tonaler und rhythmischer Muster. Der Orchestersatz ist hell timbriert, ob nun mit viel Glatteis unter der Schuhsohle altrussisch getanzt (Khorovod) oder andalusische Farbenpracht bestaunt wird (Alhambra Fantasy). Anderson glänzt im Konzert, auf der CD wirkt er nach geballten 75 Minuten ziemlich monochrom.
VT
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Arditti Quartett: Streichquartette von Conlon Nancarrow
CD 07-03
In einer Live-Aufnahme von 2005, noch in alter Besetzung mit dem Cellisten Rohan de Saram, ist das Arditti Quartett mit einer Kombination von drei sehr unterschiedlichen Werken zu hören. György Ligetis zweites Quartett, ein altes Repertoirestück, wird eingerahmt von Kompositionen von Nancarrow und- Dutilleux. In den vierstimmigen Kanons von Nancarrows drittem Quartett halten die Interpreten ihre unterschiedlichen Tempi kaltblütig durch, was ein stachliges, rhythmisch gespanntes Klangbild erzeugt. Die Farbreize und sensibel abgestuften Ausdruckswerte in Ainsi la nuit, einer Folge nächtlicher Impressionen von Dutilleux, bilden dazu einen denkbar großen Kontrast. Ein stilistischer Spagat auf hohem Niveau – für die Ardittis kein Problem.
MN
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Juan Cristóstomo de Arriaga: Obras vocales 1821-1825
CD 07-04
Arriaga wurde am 27. Januar 1806 und damit genau 50 Jahre nach Mozart geboren – damit hatte er im heurigen Gedenkwettbewerb keine Chance. Dabei war Arriaga selbst ein erstaunliches Wunderkind: Als der baskische Komponist am 16. Januar 1826 in Paris starb, hinterließ er ein OEuvre von hoher Qualität, etwa die unbedingt hörenswerten drei Streichquartette. Das Ensemble Il Fondamento präsentiert Arriagas weitgehend unbekannte Vokalwerke: zwei sehr eindrucksvolle Kirchenstücke, O salutaris hostia und Stabat Mater sowie die Ensayos lírico-dramáticos, musikdramatische Versuche, die leider recht klassizistisch-unprofiliert ausgefallen sind – was sicher nicht den hervorragenden Sängern wie etwa Violet Serena Noorduyn anzulasten ist.
WF
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Daniel Hope: Johann Sebastian Bach
CD 07-05
Daniel Hope versucht die Synthese zwischen originaler Aufführungspraxis und modernen Instrumenten. Man geht mit dem Vibrato sparsam um, handhabt die Artikulation spritzig und gestaltet den Basso continuo abwechslungsreich. Allerdings brauchen moderne Instrumente – mit modernen Seiten bespannt – meines Erachtens einen größeren Einsatz von Vibrato, als sich die Musiker hier erlauben: Viele Haltetöne klingen gepresst. Mit den reichlichen Verzierungen bin ich wenig glücklich. Diese gehen zwar auf Bach‘sche Modelle zurück, klingen mir aber aufgesetzt, denn was auf dem Cembalo wirkt, passt nicht zwangsläufig zur Geige. Trotz dieser Einwände ist Hope eine sehr lebendige Interpretation gelungen.
CMS
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Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 1 und 4
CD 07-06
Wer noch keine Beethoven-Symphonien im CD-Schrank hat, kann fürs erste diese nehmen. Die Aufnahme der Repertoire- Stiefkinder ist lebendig, allerdings an keiner Stelle aufregend; um aus der langen Reihe des schon Vorhandenen herauszufallen, hätte sie mehr Zuspitzungen riskieren müssen. So bleibt sie respektabel ohne besondere Höhepunkte. Skrowaczewski bevorzugt weich fließende, maßvoll kantable Linien und schleift dabei Beethovens Widerhaken ziemlich ab; durch die relativ zügigen Tempi bekommen die Sätze im günstigen Falle eine unprätentiöse Leichtigkeit, geraten jedoch manchmal auch ans Verhuscht-Flüchtige, aufnahmetechnisch befördert durch einen flächigen Schmelzklang. Der Hörer wird mitgenommen, aber nicht herausgefordert.
GF
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Antonia Bembo: Produzioni Armoniche
CD 07-07
Antonia Bembo, um 1640 im Veneto geboren, Schülerin von Cavalli, vor 1676 aus einem Ehemartyrium nach Paris geflohen, dort von Ludwig XIV. protegiert, hat seit den späten 1690er Jahren eine große Anzahl von Vokalmusik geschrieben, die bis heute unveröffentlicht geblieben ist. Aus dieser reichen Hinterlassenschaft hat Maria Jonas elf Arien und Kantaten für Sopran mit Generalbass ausgewählt – Stücke voll vokaler Virtuosität und dissonanzreichen Ausdrucks, die durchaus neben denen anderer venezianischer Komponisten des 17. Jahrhunderts bestehen können. Maria Jonas singt sie mit Eleganz und Empfindung, wenn auch nicht immer mit dem nötigen verbalen Nachdruck, ja Temperament, wie es Bembos wortgezeugte Melodik erfordert.
US
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Daniel Sepec: Ludwig von Beethoven
CD 07-08
„Sonaten für Klavier mit Begleitung einer Violine“ hat Beethoven seine Duo- Sonaten genannt, und in diesem Geist erklingen sie hier. Tonangebend ist Andreas Staier, der auf einem Graf-Flügel von 1824 mit dem von ihm gewohnten Enthusiasmus drängend die Richtung weist. Das Interesse gilt aber gleichermaßen dem schnörkellos uneitlen und doch höchst expressiven Spiel Daniel Sepecs auf Beethovens erst vor wenigen Jahren wiederentdeckter Violine. Die „authentische“ Interpretation der beiden kommt insbesondere den klanglich apart abgestuften Mozart-Variationen zugute, lässt aber auch die beiden Sonaten mit agogischen, dynamischen und rhythmischen Feinheiten ungewohnt neu, ja spontan erklingen.
US
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Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 5 und 7
CD 07-09
„Ein frischer Ansatz aus der Neuen Welt, den die Alte Welt dringend brauchte ...“ – was PR-Artikler eben so reden. Hier ist alles falsch: Erstens hat Old Europe wohl auch noch einige gute Beethoven-Interpreten, und zweitens löst die Interpretation diesen Anspruch in keiner Weise ein. Natürlich ist der 25-jährige Dudamel für sein Alter phänomenal und sein junges Orchester ein jeder Förderung wertes Sozialprojekt. Aber Schwung ersetzt keine plastische Schärfe; im schwammigen, stark leitstimmenbetonten al-fresco-Klang dringt nur wenig durch, was unter der Oberfläche passiert. Wer seinen Dritte-Welt- Obolus via Deutsche Grammophon ableisten will, muss die CD kaufen; für alle anderen gibt’s musikalisch wie spendenmäßig bessere Möglichkeiten.
GF
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Luigi Boccherini: Streichquintette
CD 07-10
Gegenüber den Zeitgenossen Haydn und Mozart hat Boccherini sich nicht behaupten können. Noch heute gilt er als Komponist für Amateure – zu Unrecht, wie die drei hier versammelten Streichquintette beweisen. Der in Spanien wirkende Italiener, der diese Gattung erfunden hat, ist trotz aller satztechnischen Könnerschaft und formalen Eigenwilligkeit ein komponierender Charmeur – etwa im verschmitzten Rondo des g-moll-Quintetts oder im betulichen Allegretto des F-Dur-Quintetts. Eine Perle schließlich ist das melancholisch verhangene d-moll-Quintett mit seinem teils schroffen, teils zärtlich klagenden Mittelsatz. Das Ensemble Explorations spielt das alles so ernst wie nötig und so elegant wie möglich – leichtfüßig, melodiös, kontrastreich und stets transparent.
US
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Ausgabe 7
Titel Ausgabe 7
Schwerpunkt: Alle Welt singt
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