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Carl Philipp Emanuel Bach: Sinfonien Nr. 1-4 |
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Joseph Haydn hatte zwei Drittel seiner viersätzigen Sinfonien komponiert, als Carl Philipp Emanuel Bach um 1775 noch einmal vier Werke vorlegte, in denen er sich unverdrossen am italienischen Typus barocker Tage orientierte. Antonio Vivaldi ließ grüßen. Doch welche Funken wusste Bach aus der im Grunde veralteten dreisätzigen Form zu schlagen! Was gab er den musikalischen Verläufen nicht an Überraschungsmomenten mit auf den Weg! Immer wieder drohen verblüffende harmonische Wendungen, irritierende Pausen, verquere Rhythmen alles aus dem Tritt zu bringen. Für Manze und sein brillant musizierendes English Concert ein gefundenes Fressen. Das Largo des Cellokonzerts überholt die Italiener von anderer Seite: Mit fast vorromantischer Gefühlstiefe, die Alison McGillivray intensiv umsetzt.
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Johann Sebastian Bach: Sonaten und Partiten für Violine solo |
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Nach zahlreichen CDs, auf denen John Holloway die Violinliteratur des Frühbarock erkundet hat, erklimmt er nun hier mit Bachs „Sei Soli“ den Gipfel. Wie wenige Geiger seiner Generation bewältigt er dabei sowohl die technischen wie geistigen Anforderungen, die Bach seinen Interpreten stellt. Verfolgt man die Aufnahmen mit einem Faksimiledruck von Bachs Autograph in der Hand, so wird man gewahr, wie der bei aller Strenge improvisatorisch-rhetorische Gestus von Holloways Spiel die Lineatur der Notenschrift gleichsam in Ausdruck zu übersetzen versucht. Agogik, Artikulation und Phrasierung halten sich genau an Bachs Vorgaben; freizügige Rubati, die dennoch nicht das Metrum aufheben, verhindern den gerade in diesen Stücken oft lähmenden Eindruck von Mechanik. Eine rundum beglückende Aufnahme! US
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Johann Sebastian Bach: Motetten BWV 225-229 |
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Sigiswald Kuijken besetzt in seiner Neuaufnahme von Bachs fünf Motetten die Gesangsstimmen konsequent solistisch und folgt damit dem neuesten Stand der Bach-Forschung. Das verleiht der Musik vor allem in den fugierten Passagen der doppelchörigen Motetten eine Klarheit, ja Virtuosität, die fasziniert, zumal die verstärkend mitspielenden Instrumente das homogene Gesangsensemble markant unterstützen, aber nicht übertönen. Man hätte sich allerdings manchmal weniger motorisch akzentuierte Tempi und eine differenziertere Textdeklamation gewünscht – mit einem altmodischen Wort: etwas mehr Innerlichkeit, die der spirituellen Versenkung dieser Musik Ausdruck gibt, auch wenn es sich nur um Gelegenheitswerke handelt. US
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Béla Bartók: Der holzgeschnitzte Prinz, Große Suite |
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Schon die ersten Takte des Tanzspiels sind atemberaubend: Unendlich behutsam und präzise baut Michael Gielen den Klang auf und weitet ihn ganz allmählich in eine dann allerdings gleißende Totale. Gielen ist bekannt als an moderner und zeitgenössischer Musik geschulter, überragender Analytiker. Das kommt auch Bartók zugute. Doch wie schon auf seiner ersten, ebenfalls exzellenten Bartók-Veröffentlichung erweist er sich überdies als fantastischer Klangfarben-Dirigent, auch im Konzert für Orchester. Mit Hilfe eines enorm organischen Aufbaus und wunderbar ausgehörter Details belässt Gielen dem gern zur orchestralen Zirkusnummer verkürzten Werk – bei immer noch hinreichender Virtuosität – eine altersweise Gelassenheit, ja Abgeklärtheit. OB
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Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 3 „Eroica“ und Nr. 8 |
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Ein spektakuläres Beethoven-Projekt kündigt sich an. Sollte dieser Zyklus auf ähnlich hohem Niveau fortgesetzt werden, dann könnte er, wenn er 2009 komplett vorliegt, zu den bedeutendsten der Beethoven-Diskographie gehören. So spannend, lustvoll und frech, so federnd und vital in der Phrasierung, so rhythmisch perfekt und dynamisch bis in Pianissimo-Extreme ausgereizt hat man die Eroica und insbesondere die Achte lange nicht erlebt. Järvi und die Bremer sind historisch bestens informiert, ohne es mit erhobenem Zeigefinger zu demonstrieren. Die fahle Trauer des Trauermarschs treffen sie grandios. Und der oft verharmlosten, hintergründig ironischen Achten geben sie einen so nie gehörten, fast bösartigen Sarkasmus mit auf den Weg. OB
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Luciano Berio: Sämtliche Sequenze & Solowerke |
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Die Reihe der Solowerke, die Luciano Berio 1958 mit Sequenza I für Flöte begann und 2002, ein Jahr vor seinem Tod, mit Sequenza XIV für Cello beschloss, stellt ein Kompendium der Instrumentalkomposition im 20. Jahrhundert dar, geschrieben für jeweils führende Interpreten. In der Gesamtaufnahme von Mode Records bilden die 14 Werke ein imposantes Panorama, zumal die Originalwerke ergänzt werden durch die zahlreichen solistischen Bearbeitungen und Nebenwerke, die Berio im Laufe der Jahre aus ihnen ableitete. Die sehr informativ gestaltete Edition enthält auch die kurzen Reflexionen, die Eduardo Sanguineti zu jeder einzelnen Sequenza schrieb. Die über ein Jahrzehnt hinweg entstandenen Aufnahmen versammeln Könner ihres Fachs. MN
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Berliner Philharmoniker - im Takt der Zeit |
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Zum 125. Bestehen der Berliner Philharmoniker ist eine prachtvolle 12-CD-Box erschienen, die anhand von seltenen Aufnahmen und Rundfunkmitschnitten die Geschichte des Orchesters seit dessen ersten Aufnahmen dokumentiert. Alle CDs sind auch einzeln erhältlich. Der Reigen beginnt mit Alfred Hertz, der es trotz primitiver Aufnahmebedingungen (September 1913!) schaffte, einen großen Bogen über das Vorspiel und die Verwandlungsmusiken aus Parsifal zu spannen. Der legendäre Arthur Nikisch spielte 1920 eine äußerst würzige Ungarische Rhapsodie von Liszt ein. Bruckners 7. Symphonie erklingt in der unpathetischen, beinah klassizistischen Interpretation von Jascha Horenstein (1928). Und immer wieder Beethoven: eine fulminante Fünfte unter Furtwängler mitten im Krieg (1943) sowie eine großformatige Erste aus dessen allerletztem Konzert (1954); die Neunte unter Karajan (Eröffnungskonzert der Philharmonie 1963); die Siebte und das 1. Klavierkonzert mit Barenboim zur Feier des Mauerfalls (1989). Das erste Gastdirigat Simon Rattles (1987) mit einer umwerfenden Mahler 6 ist ebenso dokumentiert wie repräsentative Auftritte von Claudio Abbado (aristokratisch in Mozarts Haffner-Serenade), Kurt Sanderling und Nikolaus Harnoncourt. Dürfte ich nur eine einzige CD behalten, würde es aber Tschaikowskys Pathétique in der gefühlsvollen, „vom Herzen zu Herzen“ gehenden Interpretation David Oistrachs sein. Die Edition wurde von der Stiftung Berliner Philharmoniker in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung „Die Welt“ produziert. Letztere hat die Kommentare beigetragen, die den Schwachpunkt der Edition darstellen: Statt auf die Aufnahmen einzugehen, begnügen sie sich meist mit biographischen, in jedem Nachschlagewerk auffindbaren Angaben. Trotzdem ist diese erste Produktion des neugegründeten Orchesterlabels absolut empfehlenswert. CMS
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Hermann Bischoff: Symphonie Nr. 1 |
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Weiter als bis zu diesem Opus 16 von 1906 hat es Hermann Bischoff (1868-1936) nicht gebracht; das Wenige, was nachkam, blieb unnummeriert. Dafür holt er hier mächtig aus und fügt üppige Gründerzeitfresken zu einem Klangbandwurm von Bruckner‘schen Dimensionen. Sie führen nicht, wie beim Zeitgenossen Mahler, von der Idylle in die Katastrophe, sondern genau umgekehrt von einem hektisch-neurotischen Beginn, der stellenweise wie ein Verschnitt aus Richard Strauss und Suppé daherkommt, in ein entspanntes Jugendstil-Finale. Die mit derlei Raritäten schon erfahrenen Interpreten verleihen den langsameren Sätzen 2 und 4 eine besonders intensive Aura – Bischoffs Stärke war das Lyrische. Alles kurzweilig, bisweilen zwar auch kurzatmig – aber insgesamt lohnt‘s. GF
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Britische Bratschenkonzerte |
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Der Aufstieg der Bratsche als Soloins-trument begann vor allem in Großbritannien – dank Lionel Tertis und William Primrose, denen die hier eingespielten Werke von Walton und Britten gewidmet sind. Als Sally Beamish, selbst Bratschistin, 1995 ihr erstes Konzert schrieb, war die Bratsche längst „etabliert“. Tatjana Masurenko hat einen guten Draht zur englischen Musik, denn ihre Interpretation des Walton-Konzerts ist genauso überzeugend wie ihre Charakterisierung der verschiedenen Variationen in Brittens Stück und ihre Umsetzung der expressionistischen Klangwelt bei Beamish. Das Hannoveraner Orchester unter seinem schottischen Dirigenten trägt entscheidend zum Erfolg dieser empfehlenswerten Aufnahme bei. CMS
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Norbert Burgmüller: Sämtliche Werke für Pianoforte |
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Nicht nur Mozart und Schubert haben schon als 16-Jährige meisterlich komponiert. Auch Norbert Burgmüller (1810-1836) brachte in diesem jugendlichen Alter eine Sonate zu Papier, die an Temperament, Einfallsreichtum und rhetorischer Gebärde direkt auf den gleichaltrigen Schumann verweist – und Mendelssohns Klaviermusik dabei weit in den Schatten stellt. Die von Tobias Koch mit zupackendem Griff und sensibler Nuancierung eingespielten Werke bieten mit der Rhapsodie h-moll in ihrer Brahms’schen Schwermut noch eine weitere staunenswerte Entdeckung. Mendelssohns Trauermarsch auf des Freundes Tod und die virtuosen Häppchen des älteren Bruders Friedrich, des „Etüden-Burgmüller“, unterstreichen nur den Rang dieses ungewöhnlichen Frühromantikers. MH
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