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Partituren 17 |

Schlechte Zeiten für Tonträger? Nicht
unbedingt, meint Johannes Kernmeyer,
der Kopf hinter dem neuen Label
„Phoenix Edition“. Kernmeyer war viele
Jahre künstlerischer Leiter des Labels
Capriccio, das nach der Insolvenz des
Inhabers Delta Music erst einmal vom
Markt verschwunden ist. Mit alten Weggefährten
wie Christoph Spering, Christine
Schornsheim oder dem Petersen-Quartett
und neuen wie Simone Kermes, Thomas
Quasthoff und Christoph Eschenbach
baut er nun ein Programm auf, das sich
vor allem der Wiederentdeckung vergessener
Werke widmen wird: Rameau und
Joseph Martin Kraus finden sich ebenso
unter den ersten Neuerscheinungen
wie Schnittke und Ernest Bloch.
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Wer bereits zur Horowitz-Fangemeinde gehört, wird den Mitschnitt
seines letzten Auftritts am 21. Juni 1987 in der Hamburger
Laeiszhalle ohnehin haben wollen. Wer Horowitz’ Kunst
noch nicht kennt, dem kann diese CD ans Herz gelegt werden
als Dokument eines Pianisten, der mit 83
 Jahren noch
einsame Spitze seiner Zunft
war. Der hervor- ragende Mitschnitt
des NDR fing getreu
die unzähligen Farben ein,
die Horowitz seinem Steinway
entlockte. Für die technischen Herausforderungen (Liszt,
Chopin, Moszkowski) hatte er noch genug Stehvermögen. Was
im Gedächtnis hängen bleibt, ist aber das Gesangliche seines
Spiels. Und das Geschmackvolle, das man ihm nicht immer
zutraute: Schumanns Träumerei, diese abgelutschteste aller
Kamellen, wird durch ihn von jedem Kitschverdacht befreit. CMS
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 Er hat sogar bei Schostakowitsch Komponieren studiert und zwei
Klavierkonzerte geschrieben. Doch dann beschloss Mstislaw Rostropowitsch,
sich ganz aufs Cellospiel zu konzentrieren – und andere
für sich komponieren zu lassen. Welch eindrucksvolles OEuvre der Russe als Anreger und Uraufführer hinterlässt,
zeigt nun eine interessante Hommage-CD. Wenige Monate nach seinem Tod führten zahlreiche seiner
prominenten Kollegen beim Kronberg Cello Festival 2007 Werke auf, die Rostropowitsch angeregt hat – von
Prokofjew und Britten, Schnittke und Piazzolla, Lutosławski und Bernstein, Henze und Dutilleux. Mitschnitte
vom Festival präsentiert nun die 4-CD-Box Celebrating Slava! (Profil Edition Günter Hänssler PH 08029)
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Spätestens wenn Gerhard Taschner Pablo de Sarasates Carmen-Fantasie spielt, kann man
nachempfinden, dass die Violine in der Romantik ähnlich rauschhafte Wirkungen auslöste wie
die E-Gitarre des Rock im 20. Jahrhundert. Taschner, der 1941 mit 19 Jahren Erster Konzertmeister
der Berliner Philharmoniker wurde und nach dem Krieg eine große Solistenkarriere
erlebte, lässt die Violine flüstern, singen, hauchen, klagen, exzessiv schreien. Farbspektrum
und die Ausdrucksfülle dieses Ausnahmegeigers müssen nahezu grenzenlos gewesen sein.
Dies lässt sich in der nunmehr vierten Folge der bei MDG erscheinenden Taschner-Reihe an
so unterschiedlichen Werken wie den Violinkonzerten von Sibelius und Khatchaturian sowie
an Sarasate nachempfinden. Taschners Interpretationen aus den fünfziger Jahren wirken
auf CD auch nach einem halben Jahrhundert noch so lebendig und unmittelbar, dass man
meint, man säße im Konzert. 1961 zog sich Taschner vom Konzertpodium zurück und widmete
sich ganz seiner Berliner Professur. Er starb 1976, erst 54-jährig. (MDG 642 1508-2) EW
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Am 29. Mai feierte Helmuth Rilling seinen 75 Geburtstag!
Mit seiner Gächinger Kantorei wurde er zu einem der einflussreichsten
Interpreten des 20. Jahrhunderts. Die hatte
er 1954 als Studienanfänger gegründet, um sich der (damals)
vergessenen Musik von Komponisten wie Schütz
oder Buxtehude, aber auch der Neuen Musik zu widmen.
Berühmt wurde er aber als Bach-Interpret: 1981 gründete
er die Internationale Bachakademie Stuttgart, 1984 schloss
er die erste Gesamteinspielung der Kantaten Bachs ab,
2000 die Einspielung von Bachs Gesamtwerk. Es folgten
zahlreiche Preise und Ehrungen, u. a. eine Goldene Schallplatte
1994 (für eine Million verkaufte CDs) und ein Grammy
2001 für Pendereckis Credo. Herzlichen Glückwunsch!
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Seit dreißig Jahren hat er keinen Mozart mehr gespielt
– noch nie hat er ihn aufgenommen. Und mancher
wird nach dem Anhören der CD zweifellos sagen:
Hätte er das doch besser noch weitere dreißig
Jahre gelassen. Denn Nigel Kennedy bürstet Mozart
gewaltig gegen den Strich – so ähnlich könnte der
Mozart des Amadeus-Films Geige gespielt haben.
Albern kichernd über die elektronisch verfremdeten
Klänge der Kadenzen. Dass Kennedy in dieser Aufnahme
auf einen Dirigenten verzichtet, ist allerdings
über jeden Kritikerzweifel erhaben – schließlich
brauchte Mozart auch nie einen Dirigenten.
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Jos van Immerseel
Als er ein Kind war, hörte Jos van Immerseel ein Konzert von Dave Brubeck.
Nach dem Auftritt stellte er sich dem legendären Jazzpianisten forsch als Kollege
vor. Wer denn sein Lieblingskomponist sei, fragte Brubeck. Immerseel rang sich
verlegen einen Namen ab: Debussy! „Das ist der Vater aller Jazzer“, antwortete
Brubeck. Und nachdem Immerseel diese Geschichte erzählt hat, gleitet er an den
Erard-Flügel und spielt Brubeck – als Zugabe nach einem reinen Debussy-Programm.
Eine verführerisch sanfte Art, unerhörte Harmonien zu spielen.
Klangfarben haben es dem flämischen Dirigenten und Pianisten besonders
angetan. Seine Wohnung in Antwerpen gleicht einem Musikinstrumentenmuseum.
Hier umgibt sich Jos van Immerseel bei konstant 21 Grad Raumtemperatur und
45 Prozent Luftfeuchtigkeit mit Tasteninstrumenten vom Clavichord bis zum Konzertflügel.
Er hat den Flügel rekonstruieren lassen, den Mozart in seinen letzten
Lebensjahren spielte, und interpretiert Schubert-Sonaten auf einem Wiener Hammerklavier:
„Wir wissen, dass Schubert diesen Instrumententyp sehr liebte, obwohl
er damals schon etwas altmodisch war.“ Immer ist Immerseel auf der Suche nach
dem passenden Klang für die Werke, die er aufführt. Für seinen Debussy-Abend
reist er mit zwei historischen Flügeln aus seiner Sammlung, um einen
Eindruck davon zu vermitteln, wie Debussy geklungen haben könnte,
bevor der Klang des Steinwayflügels zum Standard-Stahlgewitter
avancierte. Zum intimen Erlebnis wird dabei vor allem die Begegnung
mit dem piano demi-queue von Erard, einem Instrument
der Salons. Sein leicht gesenkter, nostalgischer Tonfall
lässt Debussys Kompositionen noch moderner erscheinen,
noch abgründiger.
Ein Effekt, der Immerseel auch mit seiner spektakulären
Ravel-Aufnahme gelingt, für die die Musiker seines
Ensembles „Anima Eterna“ französische Saxophone und
Bassons der Uraufführungszeit aufgetrieben haben. So
packend hat man den Bolero noch nie gehört. Bei all
seiner Recherche-Lust geraten Immerseels Interpretationen
nie dogmatisch. Vielleicht, weil der Solist Immerseel
stets die Überhand über den Forscher und Orchesterleiter
Immerseel behält. Sein jüngster Coup: Die Wiederentdeckung
Beethovens aus dem Geist des Wiener Orchesterklangs.
Noch eine Sinfonien-Box, wo gerade von allen
Seiten historisch aufgeklärte Beethoven-Neuaufnahmen
auf den Markt drängen? Unbedingt! Existentieller als
Immerseels Pastorale kann eine Landpartie nicht ausfallen.
Man kehrt verstört heim – und erlebt das Glück eines
langen Nachbebens.
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Partituren 16 |

Mit 13 nahm sie für Warner Classics
mit dem London Symphony
Orchestra Paganini und andere
Virtuosenstücke auf, dann verschwand
die Teenie- „Wundergeigerin“
wieder aus der breiten
Öffentlichkeit. Nun ist die Britin
Chloë Hanslip 20 und bei Naxos
gelandet. Dass die Zakhar-Bron-
Schülerin noch immer virtuos
und klangschön Geige spielen
kann, beweist sie mit zwei veritablen Wiederentdeckungen:
den süffigen-leichten und sehr wirkungsvollen Violinkonzerten
des Franzosen Benjamin Godard (1849 – 1895). (Naxos 8.570554) |
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 Das „beste Konzertprogramm der Saison
2007 / 08“ hat nach Meinung des Deutschen
Musikverleger- Verbandes die Philharmonie
Essen in ihrer vierten Saison geboten. Die
Jury hebt vor allem den Spagat zwischen
dem „klassisch-roman- tischen Konzertrepertoire“
einerseits und „der zeitgenössischen
Musik und den weniger häufig gespielten
Werken des 20. Jahrhunderts“ andererseits
hervor. Durch Themenschwerpunkte
und Porträtreihen werde dem Publikum der Zugang zur „unbekannten oder ungewohnten
Musikliteratur erheblich erleichtert“. Intendant Michael Kaufmann wird stellvertretend am
21. Mai ausgezeichnet – im Rahmen eines Konzertes, bei dem bezeichnenderweise ein
Mozart-Divertimento, ein Streichquartett von Pavel Haas und die Erstaufführung eines Auftragswerks
von HK Gruber auf dem Programm stehen.
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 Matthias Goerne ist einer, der
musikalisch auf seinem eigenen
Kopf besteht. Nach Jahren
als Exklusivkünstler eines großen
Plattenlabels beginnt der
gerade 40 gewordene Bariton
nun bei harmonia mundi eine
„Schubert-Edition“, die auf elf
CDs einen breiten Querschnitt
durchs Liedschaffen Franz
Schuberts geben soll. Jede
Folge wird unter einem Leitwort
stehen, bei jeder wird Goerne
von einem anderen Pianisten
begleitet. Goernes Partnerin
beim Auftakt „Sehnsucht“ war
Elisabeth Leonskaja. (harmonia
mundi HMD 901988) |

 Anne-Sophie Mutter (auf dem Bild rechts) ist die Preisträgerin des Ernst von Siemens-Musikpreises
2008, der mit 200.000 Euro dotiert ist und Ende April in München verliehen wurde. Die
Jury würdigt besonders den unermüdlichen Einsatz der Geigerin für zeitgenössische Musik
und ihr soziales Engagement. Durch Stiftungen fördert sie den musikalischen Nachwuchs,
soziale Projekte unterstützt sie immer wieder mit Benefi zkonzerten. Mit „nur“ 100.000 Dollar
(64.000 Euro) ist der amerikanische Michael Ludwig Nemmers Kompositionspreis dotiert, den
die fi nnische Komponistin Kaja Saariaho erhält. Und um 25.000 Schweizer Franken (ca. 16.000
Euro) reicher ist die Cellistin Sol Gabetta, weil sie den Aargauer Musikpreis gewonnen hat.
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 Norbert Burgmüller wurde nur 26
Jahre alt, doch er hinter- ließ ein
hochinteressantes OEuvre inklusive
zwei Sym- phonien und einem originellen
Klavierkonzert. Das Ehepaar
Schumann, Mendelssohn Bartholdy
und Brahms gehörten zu den
Bewunderern des 1810 geborenen Düsseldorfer Komponisten.
Eine Gruppe von Verehrern um den Pianisten Tobias Koch hat
nun die Norbert-Burgmüller-Gesellschaft aus der Taufe gehoben,
die sich die Erforschung, Förderung und Verbreitung des
Burgmüller’schen Werkes zur Aufgabe gestellt hat. Geplant ist
u. a. die Notenedition sämtlicher Werke Burgmüllers Die Internet-
Seite ist eine Fundgrube für Informationen zu Burgmüller:
www.burgmueller.de |
 Nur noch ca. 800.000 Euro (1,3
Millionen Dollar) musste eine anonyme
Käuferin beim Auktionshaus
Christie‘s für eine Stradivari-Violine
aus dem Jahre 1700 bezahlen.
2006 war ein Instrument aus dem
Jahre 1707, die „Hammer“-Stradivari,
noch für 3,5 Millionen Dollar
(damals 2,75 Mill. Euro) unter
den Hammer gekommen. Instrumente
aus Stradivaris Werkstatt
besitzen u. a. André Rieu, Viktoria
Mullova, Joshua Bell, Gil Shaham
und Itzhak Perlman. Anne-Sophie
Mutter und Salvatore Accardo haben gleich zwei davon, während
das Instrument Eugène Ysaÿes (vermisst seit 1908) ebenso
gestohlen wurde wie das von David Oistrach (1996 entwendet). |
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