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Bach leicht gemacht - Ein kleiner Interpretationskurs |
Johann Sebastian Bach:
Suite Nr. 1 G-Dur für Violoncello
solo BWV 1007. Tipps zum ersten
Satz von Alban Gerhardt
Vorweg muss man sagen: Das Trügerische
an diesem Satz ist, dass sich alles in
der ersten Lage abspielt und er deshalb
als leicht gilt. Doch gerade das macht ihn
heikel, weil die erste Lage in Wirklichkeit
die Schwerste auf dem Cello ist. Die
Finger fallen nicht natürlich, sondern
müssen ständig weit gespreizt sein.
1. Das Stück muss klingen, als ob
man es gerade improvisiert. Gerade die
Präludien haben dieses improvisatorische
Element. Es gibt einen Puls, aber
der geht eher über mehrere Takte, als
dass er mit dem Metronom auszuzählen
wäre. Die Präludien sind wie Fantasien,
danach kommen die Tanzsätze
mit einem festen Metrum.
2. Die Artikulation mache ich so,
wie hier notiert ist: Die ersten drei
Töne gebunden, einen gestoßen. Das
ist nicht so leicht, weil ich zunächst
drei Noten auf 10 cm Bogenlänge
unterbringen muss und dann eine einzige
auf derselben Bogenlänge, ohne
dass dabei ein Akzent rauskommen
darf. Die nächsten vier Töne stoße ich
und versuche dabei, die Sechzehntel
leicht zu spielen, zwischen staccato
und legato. So fange ich meistens an,
später variiere ich den Strich dann
– es sollte bloß nicht schematisch werden.
Ab Takt 29 muss man auf jeden
Fall die Stellen üben, wo ein Ton gestoßen,
dann sieben auf einen Bogen
gespielt werden. Das ist sehr schwer,
weil der einzelne Ton fast gar keinen
Druck bekommen darf – es darf nach
ihm aber auch keine Kunstpause entstehen.
Man soll den Ton hervorheben,
aber er muss im Fluss der Musik
eingebunden bleiben.
3. Das Tempo darf nicht sehr langsam
sein! Es muss von einem Impuls
aus schwingen, ohne flüchtig oder bedeutungsschwanger
zu werden. Aber
üben muss man das erst mal sehr langsam.
Mit Achteln = 50 etwa. Dann hat
man mehr Muße, alles zu beachten.
4. Da Bach keine Dynamik vorgeschrieben
hat, kann man auch damit frei umgehen. Ich folge oft dem harmonischen
Fluss – das wird von Beginn an
erst immer mehr bis zum D-7-Akkord,
dann wieder weniger. Ein erzählerischer
Gestus ist dabei wichtig. Wenn es
der Raum hergibt, kann man im piano
anfangen, sonst eher mezzoforte.
5. Wahnsinnig schwer ist der Anfang:
zwei leere Saiten schön legato
ansprechen zu lassen in einem gesunden
Mezzoforte. Das darf nicht
zu forsch und nicht zu schüchtern
kommen. Man schleicht sich vielmehr
in das Stück hinein, als ob es schon seit
zehn Jahren liefe. Es darf auch kein
Akzent sein, man muss weich starten.
6. Wichtig ist, dass man die Basslinie
mitverfolgt und mehrstimmig denkt.
Man muss die verschiedenen Linien
deutlich machen, auch den Alt und die
obere Linie. Das mache ich mit der Verschiedenheit
der Länge in den gestoßenen
Noten. Die dürfen nicht alle gleich
lang sein. Bis zur französischen Revolution
gab es ja wichtige und unwichtige
Noten, erst danach waren alle gleich.
Bei Bach ist das ganz extrem: Es darf
auf keinen Fall alles gleich sein.
7. Bloß nicht schwindsüchtig spielen!
Ich empfinde Bach generell als
sehr erdverbunden, d. h. der Klang
darf voll und tief sein, ohne romantisierend
zu wirken. Bei diesen Basslinien
darf man schon sehr tief in die
Saite gehen. Man kann die wichtigen
Töne mit einem Vibrato versehen,
wenn man will. Insbesondere die
Fermate kann ein Vibrato vertragen.
Aber nur wie ein leichtes Beben in
der Stimme. Der Ton soll dadurch nur
mit Leben erfüllt werden.
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Alban Gerhardts |
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1. Was ganz viele falsch machen:
Sie beschäftigen sich nicht mit den
Grundlagen! Man muss regelmäßig
die grundlegende Klangerzeugung
üben, also mit dem Bogen
allein arbeiten, ohne linke Hand.
Dafür braucht man ca. fünf oder
zehn Minuten am Tag: wie man
mit dem Bogen in die Saite geht,
leere Saiten spielen. Dabei immer
beachten: Der Bogen ist nur die
Verlängerung des Armes. Und an
den Ellbogen denken, der nach
links oder rechts zieht. Die Schulter
ist oft zu hoch – sie darf auf
keinen Fall blockieren. Bei der linken
Hand ist vor allem das richtige
Greifen wichtig. Die Hand sollte
nicht wie ein Schloss zuschnappen,
sondern man muss das Gewicht
des Armes nutzen. Als ob das Griffbrett
ein Morast ist, in den jeder
einzelne Finger einsinkt. Eigentlich
muss jeder Ton beim Greifen so abgeschlossen
werden, als ob er eine
leere Saite wäre.
2. Beim Vibrato sollte man
nicht, wie viele Cellisten es tun,
einen zweiten Finger zuhilfe nehmen.
Denn das klingt dann fast
wie ein Triller. Stattdessen muss
der Finger in einem Zentrum verankert
sein und um diesen Punkt
herum vibrieren. Das musss nicht
viel sein, und je höher man spielt,
desto weniger darf es sein. Wenn
man in den hohen Lagen so vibriert
wie unten, klingt das nur noch wie
Gewimmer.
3. Was ich sehr empfehlen kann:
Mit Ohropax spielen. Zumindest
sollte man es mal ausprobieren.
Wir lassen uns oft von der Raumakustik blenden: In einem kleinen
Zimmer klingt es ganz toll und
luftig, aber in einem ungünstigen
Raum ist der Ton dann klein und
mickrig. Mit Ohrstöpseln klingt es
immer mickrig, sodass man automatisch
tiefer in die Saite geht, um
mehr Klang zu erzeugen.
4. Gleichzeitig sollte der Klang
nicht die oberste Maxime sein.
Natürlich ist es wichtig, gehört zu
werden und einen „schönen Ton“
zu haben, doch wenn der Klang
den musikalischen Ausdruck ersetzt,
bleibt die Musik auf der Strecke.
Klang ist Mittel zum Zweck,
nicht das Ziel.
aufgezeichnet von Klemens Hippel
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Tipps und Tricks für Amateure |
Was muss man als Pianist über die Bogenstricharten der Streichinstrumente wissen?
Diese Frage stellte uns Hans
Achenbach aus Osnabrück. Und wir
gaben Sie weiter an den Pianisten
Markus Groh.
Die Frage betrifft nicht nur die Kammermusik.
Man macht sich als Pianist
meist keine Gedanken darüber, wo
die Bögen und Punkte überhaupt
herkommen. Schaut man sich die Klaviermusik
der Frühklassik und Klassik
an, stellt man fest, dass die Artikulationsbezeichnungen
oft von den Streichern
übernommen sind. Auch bei
Beethoven sieht man noch, dass sich
die Bogensetzung für die rechte Hand
oft am Spiel der Violine orientiert, in
der Länge der Bögen etwa. C. Ph. E.
Bach schreibt in seinem Versuch über
die wahre Art das Clavier zu spielen,
dass man sich als Klavierspieler gute
Sänger und Violinisten anhören sollte.
Denn von deren Artikulation könne
man vieles lernen.
Je weiter man in der Musikgeschichte
zurückgeht, desto universeller waren
die Musiker. Sie haben viel mehr
vom Gesang aus gedacht und wenig
instrumentenspezifisch. Für Bogensetzung
und Artikulation gab es allgemeingültige
Regeln, die man angewendet
hat. Bach hat allenfalls einige
Keile gesetzt, Strichbezeichnungen
haben erst seine Söhne konsequent
eingetragen.
Das heißt nicht, dass man die Artikulation
der Streicher nachahmen
muss. Aber man sollte sich anhören,
wie Streicher artikulieren. Oft regt es
die Phantasie an, sich etwas vorspielen
zu lassen. Detaillierte Artikulation
und der große Bogen schließen
einander nicht aus. Ein gutes Beispiel ist Beethovens op. 14 Nr. 1, das
gibt es als Klaviersonate in E-Dur
und als Streichquartettsatz in F-Dur.
Als Pianist würde man die Akkorde
in der linken Hand normalerweise
mit Pedal spielen. Aber was Beethoven
vorschwebte, war wohl eher ein
Streichquartettklang. Also sollte man
mit dem Pedal vorsichtig sein. Wenn
man solche Dinge entdeckt, sollte
man ruhig einen Streicher fragen: Wie
würdest du das hier spielen?
Streicher haben eine viel größere
Flexibilität in der Kürze der Töne.
Sie können z. B. ganz verschiedene
Formen des Staccato spielen. Das
macht auch klanglich einen großen
Unterschied, und man kann davon
einiges fürs Klavier übernehmen. Es
klingt anders, ob ich den Finger eher
von der Taste abziehe, ob ich ihn
stoße, ob ich gar ein Klopfgeräusch
erzeuge. Und wie ein Ton aufhört,
hat einen großen Einfluss auf den
nächsten Ton. Man muss auch nicht
immer das Pedal benutzen, wenn
man einen Legatobogen sieht. Man
kann den Klavierklang viel mehr differenzieren.
Wenn ein Streicher den Bogen am
Frosch ansetzt, beginnt der Ton
kräftig und wird dann zur Spitze hin
schwächer, beim Aufstrich ist es andersherum.
Wenn man nun ähnliche
Figuren auf dem Klavier hat, kann
man sich dadurch anregen lassen.
Man legt heute im Klavierspiel sehr
viel Wert auf klangliche Ausgewogenheit
und Ebenmäßigkeit, aber das
wurde erst im 19. Jahrhundert wirklich
wichtig. Im 18. Jahrhundert hat
der Gegensatz betont-unbetont eine
viel größere Rolle gespielt.
Wenn man Kammermusik macht, sollte
man sich im Notentext anschauen,
wo der Komponist Bögen und Artikulationszeichen
für die einzelnen
Stimmen unterschiedlich gesetzt hat.
Und wenn sie ähnlich oder gar nicht
gesetzt sind, sollte man sich überlegen,
ob man die Streicher imitieren
oder einen bewussten Gegensatz
schaffen will.
Im 19. Jahrhundert wandelt sich das
Bild: Da haben die Komponisten viel
instrumentenspezifischer gedacht:
Brahms zum Beispiel hat in seinem
ersten Klavierkonzert ähnliche Floskeln
für verschiedene Instrumente mit
verschiedenen Bögen bezeichnet.
Und noch zwei generelle Tipps: Wenn
man mit einem Geiger oder Cellisten
zusammenspielt, sollte man sich
– zumindest bis zu den Virtuosenstücken
des 19. Jahrhunderts – nie nur
als Begleiter fühlen. Noch bei Beethoven
heißt es: „Sonaten für Klavier und
Violine“. Da hat man als Pianist ein
gewichtiges Wort mitzureden.
Man sollte immer daran denken, dass
ein Fortissimo in Beethovens Zeit
anders geklungen hat als auf heutigen
Instrumenten. Gerade wenn man
mit Streichern zusammenspielt, muss
man sich manchmal zurücknehmen,
die Mittellagen von Geige und Cello
können leicht vom Flügel zugedeckt
werden. Es ist immer die Frage, wie
thematisch wichtig etwas ist.
aufgezeichnet von ARNT COBBERS
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Beethoven leicht gemacht |
Ein kleiner InterpretationskursVon dieser kleinen Sonatine in F-Dur ist zwar umstritten, ob sie tatsächlich von Beethoven stammt. Aber schön ist sie jedenfalls. Deshalb hat Gitti Pirner sie ausgesucht, als wir sie darum baten, ein paar Interpretationshinweise zu etwas relativ Einfachem zu geben.
1. Zunächst muss man sich natürlich Gedanken über den Charakter des Stückes machen. Staccato spricht ja oft für einen witzigen Charakter eines Stückes. In jedem Fall ist das hier eine muntere Angelegenheit. 2. Bei dieser Sonatine muss man ganz strikt auf die Phrasierung achten! Das ist der Witz dieses Stückes. Wenn ich nicht wirklich staccato spiele, wird es fad. Das Staccato und die Bindungen muss man also sehr genau lesen. Und keine Töne anhängen, sonst klingt es sofort ordinär. Solche sensible Phrasierungen wie hier muss man ganz an der Taste spielen, das darf nur aus den Fingern kommen. Man darf die Finger nicht zu weit wegnehmen. 3. Und was macht die linke Hand? Da schreibt Beethoven weder einen Bogen noch einen Punkt. Dann würde ich das auch so spielen, weder legato noch staccato. Also rechts sehr kurz spielen, links nur die Töne trennen. Wenn ich links nicht staccato spiele, hat das auch den Vorteil, dass ich es leiser spielen kann. Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Da steht ja nur ein piano für die rechte und die linke Hand. Das kann aber so nicht gemeint sein, weil die rechte Hand die Melodie hat und die linke die Begleitung. Also muss ich es differenzieren. Ich werde rechts etwas über das piano gehen, und die linke Hand muss leiser sein. ...mehr im Heft!
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